Glossar der Institutionen, Aktionen und Rechtsbegriffe

Dieses Glossar erläutert Institutionen des nationalsozialistischen Terrorapparats, Tarnnamen verbrecherischer Aktionen und die Rechtsbegriffe, mit denen diese Taten später beschrieben wurden. Bezeichnungen wie „Endlösung“, „Kristallnacht“, „Euthanasie“ oder „Bandenbekämpfung“ stammen aus der Sprache der Täter. Sie werden ausschließlich als historische Quellenbegriffe wiedergegeben und kritisch eingeordnet.

Profilverweise ohne deutsche Übersetzung führen in das vollständige polnische Archiv.

„Aktion Reinhardt“

1942–1943

Tarnname der deutschen Mordaktion gegen die Jüdinnen und Juden des Generalgouvernements und des Bezirks Białystok 1942–1943. Odilo Globocnik leitete sie im Auftrag Heinrich Himmlers; Christian Wirth beaufsichtigte die Tötungsstätten, Franz Stangl war Kommandant von Sobibór und später Treblinka. Schätzungen gehen von etwa 1,7 bis 1,8 Millionen in Bełżec, Sobibór und Treblinka ermordeten Menschen aus, weit überwiegend polnischen Jüdinnen und Juden.

„Aktion T4“

1939–1941

Tarnname für den Massenmord an Menschen mit Behinderungen und Patientinnen und Patienten psychiatrischer Einrichtungen im Deutschen Reich. Adolf Hitler ermächtigte das von Philipp Bouhler und Karl Brandt organisierte Programm. In der zentral gesteuerten Phase wurden etwa 70.000 Menschen vergast oder durch Injektionen getötet; die NS-Propaganda verschleierte die Morde als „Euthanasie“. Personal und Methoden der „T4“ wurden später für die „Aktion Reinhardt“ eingesetzt.

Entnazifizierung

seit 1945

Der 1945 von den Alliierten begonnene Prozess, nationalsozialistische Strukturen aus dem öffentlichen Leben Deutschlands und Österreichs zu entfernen. Dazu gehörten die Auflösung der NSDAP und ihrer Gliederungen, die Überprüfung von Beschäftigten im öffentlichen Dienst sowie die Verfolgung von Tätern. Die Entnazifizierung blieb unvollständig: Viele Täter entgingen einer Strafe, kehrten in ihre Berufe zurück oder flohen vor der Justiz.

Einsatzgruppen

1939–1945

Mobile Verbände der Sicherheitspolizei und des SD unter dem Reichssicherheitshauptamt. Sie verübten ab 1939 im besetzten Polen und nach dem Überfall auf die Sowjetunion 1941 in den besetzten Ostgebieten Massenerschießungen. Zu ihren Opfern gehörten mehr als eine Million Jüdinnen und Juden sowie Roma, Angehörige der polnischen Eliten, Psychiatriepatienten und sowjetische Kriegsgefangene.

Gauleiter

1925–1945

Leiter eines Parteigaus der NSDAP, Hitler unmittelbar unterstellt und häufig die beherrschende politische Autorität seines Gebiets. In den dem Reich völkerrechtswidrig einverleibten polnischen Gebieten betrieben Arthur Greiser im Wartheland und Albert Forster in Danzig–Westpreußen Germanisierung, Massenvertreibungen und Hinrichtungen. Beide wurden nach dem Krieg in Polen zum Tode verurteilt.

Generalgouvernement

1939–1945

Deutsche Besatzungsverwaltung, die im Oktober 1939 in den nicht förmlich annektierten Gebieten Zentral- und Südostpolens eingerichtet wurde. Hans Frank war Generalgouverneur, Friedrich-Wilhelm Krüger Höherer SS- und Polizeiführer. Das Gebiet wurde zum Schauplatz von Massenterror, Raub, Ausbeutung, Ghettos und den Tötungsstätten der „Aktion Reinhardt“.

Gestapo

1933–1945

Die Geheime Staatspolizei war die politische Polizei des NS-Staats und ab 1939 Amt IV des Reichssicherheitshauptamts unter Heinrich Müller. Sie betrieb Überwachung, Verhaftungen und Folter und verfügte Einweisungen in Konzentrationslager. Das Referat IV B 4 unter Adolf Eichmann organisierte Deportationen von Jüdinnen und Juden in die Tötungsstätten. Der Internationale Militärgerichtshof erklärte die Gestapo im vom Urteil bestimmten Umfang zur verbrecherischen Organisation.

Ghetto

1939–1944

Ein zwangsweise abgegrenzter Stadtbezirk, in dem die deutschen Besatzungsbehörden Jüdinnen und Juden unter Bedingungen extremer Enge, des Hungers und des Terrors einsperrten. Ghettos waren Teil des Holocaust: Die Eingeschlossenen wurden vor Ort ermordet oder in Tötungsstätten deportiert. Die Verwaltung der Ghettos verband Zwangsarbeit und systematischen Raub mit dem Vernichtungsprozess.

HSSPF — Höherer SS- und Polizeiführer

1937–1945

Höhere SS- und Polizeiführer waren Himmlers ranghohe Beauftragte in einem Gebiet und koordinierten dort die verschiedenen Zweige von SS und Polizei. Sie gehörten zu den zentralen Organisatoren von Massenerschießungen, Deportationen und sogenannten Befriedungsaktionen. Friedrich Jeckeln leitete Massaker in der Ukraine und in Lettland; Friedrich-Wilhelm Krüger und Wilhelm Koppe beaufsichtigten den Terrorapparat in den besetzten polnischen Gebieten.

NS-Staat („Drittes Reich“)

1933–1945

Der deutsche Staat unter der Diktatur Adolf Hitlers und der NSDAP von 1933 bis 1945. Das rassistische und antisemitische Regime entfesselte den Zweiten Weltkrieg und beging Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen. „Drittes Reich“ war eine politische Selbstbezeichnung und wird hier nur als historischer Quellenbegriff verwendet.

Reichsgau Wartheland

1939–1945

Ein 1939 aus völkerrechtswidrig annektierten westpolnischen Gebieten gebildeter Verwaltungsbezirk unter Gauleiter Arthur Greiser. Er wurde zum Experimentierfeld der Germanisierung durch Vertreibung, Hinrichtungen von Angehörigen der polnischen Intelligenz und Geistlichkeit, Zwangsarbeit und Judenverfolgung. Im Gebiet lagen das Ghetto Łódź und die Tötungsstätte Kulmhof bei Chełmno nad Nerem.

Völkermord (Genozid)

Begriff geprägt 1944

Eine Tat in der Absicht, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe ganz oder teilweise zu zerstören. Der polnisch-jüdische Jurist Raphael Lemkin prägte 1944 den Begriff genocide; die Vereinten Nationen kodifizierten ihn 1948 in der Völkermordkonvention. Der Holocaust und der Völkermord an Roma und Sinti sind zentrale Beispiele nationalsozialistischer Genozide.

IMG — Internationaler Militärgerichtshof

1945–1946

Gericht der vier alliierten Mächte, das 1945–1946 in Nürnberg gegen führende deutsche Kriegsverbrecher wegen Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verhandelte. Es verhängte zwölf Todesurteile, eines davon in Abwesenheit, und erklärte unter festgelegten Voraussetzungen das Führungskorps der NSDAP, SS, SD und Gestapo zu verbrecherischen Organisationen. Das Urteil wurde zu einer Grundlage des modernen Völkerstrafrechts.

Oberstes Nationales Tribunal Polens

1946–1948

Polnisches Gericht, das von 1946 bis 1948 gegen von den Alliierten an Polen ausgelieferte deutsche Täter verhandelte. Es verurteilte unter anderem Rudolf Höss, Arthur Greiser, Albert Forster und Amon Göth zum Tode. Seine Rechtsprechung gehörte zu den frühen gerichtlichen Anwendungen des Genozidbegriffs.

NMT — Nürnberger Nachfolgeprozesse

1946–1949

Zwölf Verfahren vor US-amerikanischen Militärgerichten in Nürnberg von 1946 bis 1949. Sie untersuchten einzelne Bereiche des Verbrechensapparats, darunter Ärzte, Juristen, Ministerien, Industrielle, militärische Befehlshaber, Einsatzgruppen und die SS-Wirtschaftsverwaltung. Die Prozesse dokumentierten die Beteiligung professioneller und bürokratischer Eliten an den NS-Verbrechen.

Novemberpogrome 1938 („Kristallnacht“)

9.–10. November 1938

Staatlich organisierte Pogrome gegen Jüdinnen und Juden im Deutschen Reich und in Österreich am 9. und 10. November 1938. Mehr als tausend Synagogen wurden zerstört oder beschädigt, Tausende Geschäfte und Wohnungen verwüstet, mindestens 91 Menschen ermordet und etwa 30.000 jüdische Männer in Konzentrationslager verschleppt. Die Bezeichnung „Kristallnacht“ verharmlost die Gewalt und wird hier nur kritisch zitiert.

NSDAP

1920–1945

Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei unter Adolf Hitler. Ab 1933 war sie die einzige zugelassene Partei in Deutschland; ihre rassistische und antisemitische Ideologie wurde staatliches Programm. Martin Bormann leitete die Parteikanzlei. Der Internationale Militärgerichtshof erklärte das politische Führungskorps der NSDAP im vom Urteil bestimmten Umfang zur verbrecherischen Organisation.

Konzentrationslager und Tötungsstätte

1933–1945

Konzentrationslager dienten der Inhaftierung, Terrorisierung und Ausbeutung durch Zwangsarbeit; Hunderttausende starben durch Mord, Hunger, Krankheit und Entkräftung. Kulmhof, Bełżec, Sobibór und Treblinka wurden eigens für den unmittelbaren Massenmord, vor allem an Jüdinnen und Juden, errichtet. Auschwitz-Birkenau und Majdanek verbanden Funktionen eines Konzentrationslagers mit massenhafter Tötung. Diese institutionellen Kategorien dürfen nicht gleichgesetzt werden.

„Endlösung der Judenfrage“

1941–1945

Bürokratischer Tätereuphemismus des NS-Regimes für den Plan, die europäischen Jüdinnen und Juden zu ermorden. Reinhard Heydrich koordinierte im Januar 1942 auf der Wannsee-Konferenz die ressortübergreifende Umsetzung; Adolf Eichmanns Referat im RSHA organisierte die Deportationslogistik. Massenerschießungen, Ghettos und Tötungsstätten waren miteinander verbundene Mittel des Völkermords.

RSHA — Reichssicherheitshauptamt

1939–1945

Das 1939 gegründete Reichssicherheitshauptamt vereinte Gestapo, Kriminalpolizei und SD. Unter Reinhard Heydrich und später Ernst Kaltenbrunner war es eine zentrale Befehlsstelle des NS-Terrors und des Holocaust. Ihm unterstanden die Einsatzgruppen; zugleich gehörte Eichmanns Deportationsreferat zu seiner Struktur.

SA

1921–1945

Die Sturmabteilung war die paramilitärische Organisation der NSDAP. Ihr Straßenterror trug zum Aufstieg der Nationalsozialisten bei; nach 1933 beteiligten sich SA-Angehörige an antijüdischen Boykotten, frühen provisorischen Lagern und den Novemberpogromen 1938. Nach der Ermordung eines großen Teils ihrer Führung 1934 verlor die SA gegenüber der SS an Macht.

SD — Sicherheitsdienst des Reichsführers SS

1931–1945

Der Sicherheitsdienst war der unter Reinhard Heydrich aufgebaute Nachrichtendienst der SS und wurde 1939 in das Reichssicherheitshauptamt eingegliedert. Seine Mitarbeiter überwachten die Gesellschaft, bestimmten Zielgruppen der Verfolgung und besetzten Führungsstellen der Einsatzgruppen. Der Internationale Militärgerichtshof erklärte den SD im vom Urteil bestimmten Umfang zur verbrecherischen Organisation.

SS

1925–1945

Die Schutzstaffel unter Heinrich Himmler entwickelte sich von einer Parteigarde zu einem Machtkomplex, der Polizei, Nachrichtendienste, das Konzentrationslagersystem und bewaffnete Verbände kontrollierte. Sie war ein Hauptinstrument von Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen. RSHA, WVHA, Wachmannschaften der Lager und Waffen-SS gehörten zu diesem institutionellen Gefüge.

WVHA — SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt

1942–1945

Das 1942 unter Oswald Pohl gebildete Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt verwaltete das Konzentrationslagersystem, beutete die Zwangsarbeit der Häftlinge aus und verarbeitete geraubtes Eigentum der Opfer. Pohl wurde im WVHA-Prozess, einem Nürnberger Nachfolgeprozess, zum Tode verurteilt.

Verbrechen gegen die Menschlichkeit

1945 kodifiziert

Eine in der Charta des Internationalen Militärgerichtshofs von 1945 kodifizierte Rechtskategorie. Sie umfasste Mord, Ausrottung, Versklavung, Deportation und Verfolgung der Zivilbevölkerung aus politischen, rassistischen oder religiösen Gründen. Neben Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen den Frieden ermöglichte sie die strafrechtliche Erfassung systematischer staatlicher Gewalt, auch gegen die eigene Bevölkerung.

Intelligenzaktion

1939–1940

Sammelbezeichnung für deutsche Verfolgungs- und Mordaktionen gegen polnische politische, gesellschaftliche, religiöse und berufliche Eliten 1939–1940. Regionale Einheiten von Sicherheitspolizei und SD, SS, Polizei und Volksdeutschem Selbstschutz führten Verhaftungen und Massenmorde durch.

Unternehmen Tannenberg

1939

Eine vor dem Überfall auf Polen vorbereitete Operation des Sicherheitsapparats zur Erfassung, Fahndung, Festnahme und Ausschaltung von Menschen, die als Gegner der deutschen Besatzung eingestuft wurden. Sie bildete einen operativen Rahmen für den Einsatz der Einsatzgruppen 1939.

Sonderfahndungsbuch Polen

vor 1939 erstellt; 1939–1940 verwendet

Eine vor dem Krieg angelegte Liste von Menschen, nach denen der deutsche Sicherheitsapparat nach dem Überfall auf Polen fahnden und die er verfolgen wollte. Sie war kein Gerichtsurteil, sondern eine operative Proskriptionsliste der Besatzungsmacht.

Intelligenzaktion Pommern

1939–1940

Ein regionaler Komplex von Vernichtungsaktionen in Pommern 1939–1940. Einsatzkommando 16, SS-Verbände, Volksdeutscher Selbstschutz und Polizei führten sie unter Verantwortung der Bezirksbehörden durch.

AB-Aktion (Außerordentliche Befriedungsaktion)

1940

Außerordentliche Repressionsaktion im Generalgouvernement gegen polnische Eliten und Milieus, denen die Besatzer die Fähigkeit zur Organisation von Widerstand zuschrieben. Zivilverwaltung, Sicherheitspolizei und SD sowie weitere Polizeikräfte setzten sie um.

Volksdeutscher Selbstschutz

1939–1940

Eine aus örtlichen ethnischen Deutschen gebildete paramilitärische Formation unter SS- und Polizeiführung. Sie beteiligte sich besonders in Pommern und Großpolen an Verhaftungen, Raub und Massenmorden an der polnischen Zivilbevölkerung.

Massenerschießungsstätten von Piaśnica

1939–1940

Ein Komplex von Hinrichtungsorten in den Wäldern von Piaśnica. Er bildete einen lokalen Knotenpunkt zwischen Einsatzkommando 16, SS-Wachsturmbann Eimann, Volksdeutschem Selbstschutz, Polizei und Bezirksbehörden.

Massenerschießungsstätte Palmiry

1939–1941

Ort der Ermordung politischer Gefangener und Angehöriger polnischer Eliten aus dem Distrikt Warschau. Die Erschießungen standen in engem Zusammenhang mit der AB-Aktion und dem Gefängnisapparat des Pawiak.

„Befriedungsaktionen“ gegen polnische Dörfer

1939–1945

Wiederkehrende Besatzungspraxis, bei der Polizei, Gendarmerie, SS und militärische Einheiten Ortschaften umstellten, Bewohner selektierten und ermordeten, Gebäude niederbrannten, Eigentum raubten und Überlebende deportierten. Die Täter beriefen sich regelmäßig auf Partisanenbekämpfung oder Vergeltung.

Kollektivhaftung und Geiselsystem

1939–1945

Besatzungspraxis, Einzelne und ganze Gemeinschaften für Taten zu bestrafen, die sie nicht persönlich begangen hatten. Dazu gehörten Geiselnahmen, Vergeltungserschießungen, Deportationen und die Zerstörung von Eigentum.

„Bandenbekämpfung“ als Deckmantel für Repression gegen Zivilisten

1940–1945

Der Täterbegriff „Bandenbekämpfung“ verband tatsächliche Einsätze gegen bewaffnete Gruppen mit Kollektivrepressalien gegen Zivilisten, Dorfmassakern, Raub und Deportationen. Weil er Widerstand kriminalisierte und Gewalt gegen Nichtkombattanten verschleierte, muss er ausdrücklich als Quellensprache markiert werden.

Vertreibungen aus der Region Zamość („Aktion Zamość“)

1942–1943

Programm der Vertreibung, rassistischen Selektion, Trennung von Familien, Deportation und Ansiedlung Deutscher in der Region Zamość. SS, Polizei, Umwandererzentralstelle und Besatzungsverwaltung setzten es um.

Massaker von Wola

August 1944

Komplex von Massenverbrechen an der Zivilbevölkerung des Warschauer Stadtteils Wola in den ersten Augusttagen 1944. Kampfgruppen der SS und Polizei sowie Hilfsformationen verübten die Morde während der Niederschlagung des Warschauer Aufstands.

Verbrechen in Warschauer Krankenhäusern während des Aufstands

August–September 1944

Kategorie für dokumentierte Morde an Patientinnen, Patienten und Personal sowie gewaltsame Vertreibungen aus Krankenhäusern in mehreren Warschauer Stadtteilen. Sie darf die Unterschiede zwischen einzelnen Tatorten, Einheiten und Befehlsketten nicht verwischen.

Dulag 121 Pruszków und die Vertreibung der Warschauer Bevölkerung

August–Oktober 1944

Durchgangslager und zentraler Knotenpunkt für Vertreibung, Selektion und weitere Deportation der Einwohnerinnen und Einwohner Warschaus während und nach der Niederschlagung des Warschauer Aufstands.

Deutsche Sondergerichte in den besetzten polnischen Gebieten

1939–1945

Netz deutscher Sondergerichte, die Besatzungsstrafrecht und Ausnahmeverfahren zur Repression der Bevölkerung einsetzten. Sie verhängten Todesurteile für von den Besatzern kriminalisierte Handlungen, darunter Hilfe für Jüdinnen und Juden.

Ordnungspolizei und Besatzungsgendarmerie

1939–1945

Uniformierte Polizei- und Gendarmeriestrukturen, die außerhalb der Großstädte die wichtigste territoriale Gewalt der Besatzer bildeten. Sie führten Razzien durch, bewachten Transporte, verübten Dorfmassaker und Hinrichtungen und sicherten Deportationen.

Raub und Zerstörung polnischen Kulturerbes

1939–1945

Organisierte Beschlagnahme öffentlicher, kirchlicher und privater Sammlungen sowie Zerstörung von Kulturgütern. Sie diente sowohl der wirtschaftlichen Ausbeutung als auch der Germanisierungspolitik der Besatzer.

Zusammenwirken von Zivilverwaltung, SS, Polizei und Wehrmacht

1939–1945

Analytisches Modell dafür, dass Besatzungsverbrechen durch den Austausch von Entscheidungen, Personal, Transportmitteln, Informationen und Schutzleistungen zwischen Institutionen ermöglicht wurden, nicht durch eine isolierte Organisation. Die unterschiedlichen Zuständigkeiten dieser Institutionen bleiben dabei sichtbar.

Verschleppung zur Zwangsarbeit aus dem Generalgouvernement

1939–1945

System aus Registrierung, Zwangsrekrutierung, Straßenrazzien, Transport und Zuweisung von Menschen zur Arbeit für das Reich. Zivile Arbeitsämter arbeiteten dabei mit Polizei und Distriktverwaltungen zusammen.

„Rassische Überprüfung“ und Entzug von Kindern

1939–1945

System zur Auswahl von Menschen, besonders Kindern, die SS-Dienststellen als zur „Eindeutschung“ geeignet einstuften. Es umfasste die Trennung von den Familien, die Änderung der Identität und die Unterbringung in deutschen Einrichtungen oder Familien. „Rassische Überprüfung“ und „Eindeutschung“ sind Täterbegriffe.

Regionale Gestapo-Dienststellen (Stapostelle / Stapoleitstelle)

1939–1945

Regionale Dienststellen der Geheimen Staatspolizei, die Überwachung, Verhaftungen, Ermittlungen und Deportationen betrieben und Gefangene zur Hinrichtung oder in Lager überwiesen. Sie verbanden zentrale Weisungen des RSHA mit lokalen Repressionsapparaten; Rang und Zuständigkeit von Stapostelle und Stapoleitstelle waren nicht identisch.

Polizeistandgericht

1941–1944

Organ der Sicherheitspolizei, das in beschleunigten Verfahren Urteile gegen Menschen fällte, die als Feinde der Besatzungsmacht eingestuft wurden. Sitzungen in Block 11 von Auschwitz endeten häufig mit der sofortigen Hinrichtung.

Politische Abteilung im KZ Auschwitz

1940–1945

Die Lagergestapo war für Registrierung, Ermittlungen, Verhöre, Bekämpfung des Widerstands und Beteiligung an Hinrichtungen zuständig. Sie gehörte formal zur Sicherheitspolizei und arbeitete eng mit der Lagerkommandantur zusammen.

Sonderkommando Lange

1939–1941

Sondereinheit der Sicherheitspolizei unter Herbert Lange, die Patientinnen und Patienten psychiatrischer Einrichtungen im Wartheland ermordete. Personal und Erfahrungen der Einheit bildeten später einen Kern des Tötungsapparats in Kulmhof.

Polizeigefängnis Radogoszcz

1939–1945

Deutsches Gefängnis im besetzten Łódź, geprägt von systematischer Gewalt, Folter und Todesfällen in Haft. Bei seiner Auflösung im Januar 1945 massakrierte das Personal Gefangene und setzte das Gebäude in Brand.

„Werterfassung“ im Warschauer Ghetto

1942–1943

Apparat zur Erfassung, Sortierung und Weiterleitung des Eigentums deportierter und ermordeter Bewohnerinnen und Bewohner des Warschauer Ghettos. Der Täterbegriff „Werterfassung“ verschleierte einen wirtschaftlichen und logistischen Bestandteil der Ghettozerstörung.

Hauptverwaltung der Bibliotheken im Generalgouvernement

1940–1945

Besatzungsbehörde, die beschlagnahmte polnische und jüdische Buchbestände zentralisierte und über ihre Auswahl, Verlagerung und Nutzung durch deutsche Institutionen entschied.

Sonderstrafrecht für Polen und Juden

1941–1945

Eigenständige, extrem repressive Strafrechtsordnung in den dem Reich einverleibten polnischen Gebieten. Sie entzog Polen und Juden die Gleichheit vor dem Gesetz und weitete die Anwendung der Todesstrafe erheblich aus.

Bydgoszcz — militärische und polizeiliche Phasen des Terrors

September–November 1939

Lokaler Fall, in dem aufeinanderfolgende Strukturen von Wehrmacht, Einsatzgruppen, Gestapo und Selbstschutz im Herbst 1939 ein verbundenes, institutionell jedoch gegliedertes System von Verhaftungen, Selektionen und Hinrichtungen bildeten. Die Besatzer bezeichneten Bydgoszcz als Bromberg.

Dienststelle der Sicherheitspolizei in Stanisławów

1941–1944

Regionale Dienststelle der Sicherheitspolizei im Distrikt Galizien, beteiligt an Massenerschießungen, Ghettoisierung, Deportationen und der Vernichtung jüdischer Gemeinden. Stanisławów ist der damalige polnische Name; die Stadt heißt heute Iwano-Frankiwsk und liegt in der Ukraine.

Verwaltungskette des Ghettos Łódź

1939–1944

Das Zusammenwirken von Regierungsbezirk, Stadtverwaltung, Ghettoverwaltung und Gestapo: von Errichtung und Abriegelung des Ghettos bis zu Ausbeutung, Raub und Deportationen nach Kulmhof. Der Begriff bezeichnet eine Kette unterschiedlicher Zuständigkeiten, nicht eine einzige Behörde.

Wiederinbetriebnahme der Tötungsstätte Kulmhof

März–Juli 1944

Wiederaufbau der Tötungsinfrastruktur durch das Sonderkommando Bothmann 1944 und erneute Deportation von Bewohnerinnen und Bewohnern des Ghettos Łódź, die in Gaswagen ermordet wurden.