Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe

Harald Turner

in Belgrad zum Tode verurteilt; am 9. März 1947 hingerichtet 1891–1947

Harald Turner war Chef des Verwaltungsstabes beim deutschen Militärbefehlshaber im besetzten Serbien. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Serbien · Belgrad · Sajmište) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.

BesatzungsverwaltungShoahGenozid an Roma und SintiSerbien

Gesicherte Befunde

  • Seit April 1941 leitete er den Verwaltungsstab des deutschen Militärbefehlshabers in Serbien und beaufsichtigte die Feldkommandanturen sowie den serbischen Kollaborationsapparat.
  • In einem Bericht vom 21. September 1941 schlug er die Festnahme aller Juden und Roma als Geiseln vor; eine Fach-Enzyklopädie der Universität Heidelberg nennt ihn als einen der Initiatoren ihrer massenhaften Ermordung im Herbst 1941.
  • In einem Schreiben an Karl Wolff vom 11. April 1942 berichtete er von der Erschießung der greifbaren jüdischen Männer, der Konzentrierung von Frauen und Kindern in einem Lager und der mit Hilfe des SD erfolgten Beschaffung eines Gaswagens zur endgültigen Auflösung des Lagers.
  • Am 29. August 1942 meldete er, in Serbien seien die ‚Judenfrage‘ und die ‚Zigeunerfrage‘ gelöst; nach dem Krieg verurteilte ihn ein Militärgericht in Belgrad zum Tod durch den Strang.

Stellung in der Verantwortungskette

Turner macht einen zivil-militärischen Knotenpunkt der Besatzung sichtbar: Verwaltung, Kommandanturen, Kollaborationspolizei, SD, Lager und Tötungslogistik. Seine eigenen Berichte und sein Schreiben erlauben es, über reine Amtsverantwortung hinauszugehen, machen ihn aber nicht zum alleinigen Ausführenden aller Erschießungen und Vergasungen in Serbien.

Zentrale Ereignisse und Mechanismen

  • Übernahme des Verwaltungsstabes in Serbien im April 1941
  • Bericht über die Festnahme von Juden und Roma am 21. September 1941
  • Schreiben über Gaswagen und Lagerauflösung am 11. April 1942
  • Prozess vom 27. Februar bis 3. März und Hinrichtung am 9. März 1947
Keine Rangliste nach Opferzahlen

Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.

Aufarbeitung nach 1945

Nach seiner Auslieferung an Jugoslawien wurde er vom 27. Februar bis 3. März 1947 vor einem Militärgericht in Belgrad angeklagt. Er wurde zum Tod durch den Strang verurteilt; das Urteil wurde am 9. März 1947 vollstreckt.

Grenzen der Quellenlage

In Serbien überschnitten sich die Zuständigkeiten von Wehrmachtbefehlshaber, Verwaltungsstab, Einsatzgruppe, HSSPF, SD, Polizei und Kollaborationsbehörden; Handlungen einer Institution dürfen Turner ohne Dokument nicht zugerechnet werden. Das Schreiben vom April 1942 ist seine eigene Darstellung und ein Beleg für Wissen und wirksame Koordination, muss aber mit den Akten und der Chronologie der Übergabe des Lagers an Meyszner abgeglichen werden.

Quellen

Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.