Chronologie von NS-Herrschaft, Besatzungsverbrechen und Nachkriegsprozessen
Die Chronologie verfolgt den Weg vom Aufstieg der nationalsozialistischen Bewegung über rechtliche Ausgrenzung, Terror, Angriffskrieg und Völkermord bis zu ausgewählten Nachkriegsprozessen. Sie ist nicht vollständig. Die Einträge wurden danach ausgewählt, wie gut sie das Zusammenwirken von Entscheidungen, Institutionen, Logistik und unmittelbarer Gewalt erklären.
Profilverweise ohne deutsche Übersetzung führen in das vollständige polnische Archiv.
Vom Aufstieg des Nationalsozialismus bis zum Zusammenbruch des Regimes
Zentrale Entwicklungen der NS-Herrschaft, der deutschen Aggression, Besatzung, Verfolgung und des Massenmords.
Anfänge der NSDAP
Im Januar 1919 entstand in München die Deutsche Arbeiterpartei; Adolf Hitler trat ihr im selben Jahr bei. Im Februar 1920 benannte sie sich in NSDAP um und verkündete ein rassistisches, extrem nationalistisches und antisemitisches Programm. 1921 wurde Hitler Parteiführer. Ausgrenzung und Verfolgung von Jüdinnen und Juden gehörten von Beginn an zur Ideologie der Bewegung.
Personen: Adolf Hitler
Machtübertragung und Zerstörung des Rechtsstaats
Am 30. Januar 1933 wurde Hitler zum Reichskanzler ernannt. Die Reichstagsbrandverordnung vom 28. Februar setzte Grundrechte außer Kraft; das Ermächtigungsgesetz vom 23. März erlaubte der Regierung, ohne Parlament Gesetze zu erlassen. Verhaftungen, Folter und Mord an politischen Gegnern begleiteten die Errichtung der Diktatur.
Personen: Adolf Hitler · Hermann Göring · Joseph Goebbels · Wilhelm Frick
Dachau und die ersten Repressionskampagnen
Am 22. März 1933 wurde bei München das Konzentrationslager Dachau eröffnet. Es wurde zum Modell des Lagersystems; Theodor Eicke prägte seine brutale Ordnung. Ein zentral organisierter Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April leitete weitere Maßnahmen zur Ausgrenzung von Jüdinnen und Juden aus dem öffentlichen Leben ein. Im Mai folgten öffentliche Bücherverbrennungen.
Personen: Heinrich Himmler · Theodor Eicke
Die Morde vom 30. Juni bis 2. Juli („Nacht der langen Messer“)
Auf Hitlers Befehl wurden mindestens 85 Menschen ermordet, darunter die SA-Führung um Ernst Röhm und weitere politische Gegner. Das Regime gab die Morde als „Staatsnotwehr“ aus und legalisierte sie nachträglich. Himmlers SS ging daraus als wichtigstes Terrorinstrument hervor.
Personen: Adolf Hitler · Heinrich Himmler · Hermann Göring
Nürnberger Gesetze
Am 15. September 1935 erließ das Regime die Nürnberger Gesetze. Jüdinnen und Juden verloren die Reichsbürgerschaft; Ehen und sexuelle Beziehungen zwischen Juden und als „deutschblütig“ klassifizierten Menschen wurden verboten. Rassistische Klassifizierung wurde zur Grundlage einer sich verschärfenden Verfolgung.
Personen: Wilhelm Frick · Julius Streicher
„Anschluss“ Österreichs und Novemberpogrome
Am 12. März 1938 annektierte das Deutsche Reich Österreich. Unmittelbar folgten öffentliche Gewalt, Demütigung und Raub gegen Jüdinnen und Juden. Am 9. und 10. November organisierte das Regime reichsweite Pogrome: Synagogen brannten, Tausende Geschäfte und Wohnungen wurden angegriffen, mindestens 91 Menschen ermordet und etwa 30.000 jüdische Männer in Konzentrationslager verschleppt.
Personen: Arthur Seyss-Inquart · Joseph Goebbels · Reinhard Heydrich
Überfall auf Polen und Beginn des Besatzungsterrors
Am 1. September 1939 überfiel Deutschland Polen und begann damit den Zweiten Weltkrieg in Europa. Von den ersten Tagen an begingen Wehrmacht und Einsatzgruppen Kriegsverbrechen an Zivilisten und Kriegsgefangenen. Westpolnische Gebiete wurden annektiert; in Zentral- und Südpolen entstand das Generalgouvernement als Raum von Vertreibung, Razzien, Zwangsarbeit und Hinrichtungen.
Personen: Adolf Hitler · Hans Frank · Arthur Greiser · Albert Forster
Intelligenzaktion — Mord an polnischen Eliten
Von Herbst 1939 bis 1940 verfolgten deutsche Sicherheits- und paramilitärische Formationen systematisch Lehrkräfte, Geistliche, Beamte, Ärzte, Landbesitzer und gesellschaftliche Führungspersonen in den annektierten polnischen Gebieten. Einsatzgruppen und Volksdeutscher Selbstschutz verübten Massenerschießungen, unter anderem in den Wäldern von Piaśnica. Die Aktionen bildeten eine frühe Phase des Angriffs auf die polnische Führungsschicht und Gesellschaft.
Personen: Ludolf-Hermann von Alvensleben · Albert Forster · Arthur Greiser
Beginn der „Aktion T4“ — Mord an kranken und behinderten Menschen
Im Herbst 1939 unterzeichnete Hitler eine auf den 1. September rückdatierte Ermächtigung für das fälschlich „Euthanasie“ genannte Mordprogramm. Philipp Bouhler und Karl Brandt organisierten die Tötung von Psychiatriepatienten und Menschen mit Behinderungen. Bis August 1941 wurden in der zentral gesteuerten Gasphase etwa 70.000 Menschen ermordet; dezentrale Morde gingen weiter, und Personal sowie Methoden wurden später im Holocaust eingesetzt.
Personen: Philipp Bouhler · Karl Brandt
KZ Auschwitz und Ghettos im besetzten Polen
Am 14. Juni 1940 traf der erste Transport polnischer politischer Gefangener im neu eingerichteten KZ Auschwitz ein; Rudolf Höss wurde Kommandant. Die deutschen Behörden riegelten im April das Ghetto Łódź und im November das Warschauer Ghetto ab. Hunger, Krankheiten, Zwangsarbeit und Hinrichtungen töteten bereits vor und während der späteren Deportationen zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner.
Personen: Rudolf Höss · Richard Glücks · Hans Biebow · Hans Frank
AB-Aktion gegen polnische Eliten im Generalgouvernement
Von Mai bis Juli 1940 führten deutsche Verwaltung und Polizei die AB-Aktion gegen die polnische Intelligenz und andere als mögliche Führung des Widerstands eingestufte Gruppen durch. Tausende wurden an verborgenen Hinrichtungsstätten wie Palmiry ermordet, andere in Konzentrationslager verschleppt. Hans Frank billigte die Politik; Friedrich-Wilhelm Krüger führte den SS- und Polizeiapparat.
Personen: Hans Frank · Friedrich-Wilhelm Krüger
Überfall auf die Sowjetunion und Massenerschießungen der Einsatzgruppen
Am 22. Juni 1941 überfiel Deutschland die Sowjetunion. Die Einsatzgruppen A bis D ermordeten mit Unterstützung von Ordnungspolizeibataillonen und örtlichen Kollaborateuren Jüdinnen und Juden, Roma, Psychiatriepatienten und sowjetische Funktionäre; bis 1943 zählten ihre Opfer mehr als eine Million. Etwa 3,3 Millionen sowjetische Kriegsgefangene starben zudem in deutscher Gefangenschaft durch Hunger, Krankheit und Hinrichtung.
Personen: Reinhard Heydrich · Otto Ohlendorf · Kurt Daluege · Alfred Rosenberg · Erich Koch
Hungerplan und verbrecherische Befehle der Wehrmacht
Die deutsche Planung für den Überfall auf die Sowjetunion nahm den Hungertod von Millionen Menschen als Folge der Lebensmittelabfuhr ins Reich in Kauf. Herbert Backe wirkte am Hungerplan mit. Der Kommissarbefehl und weitere verbrecherische Weisungen, darunter Walther von Reichenaus Reichenau-Befehl, banden die Wehrmacht in einen Vernichtungskrieg und antisemitische Gewalt ein.
Personen: Herbert Backe · Wilhelm Keitel · Walter von Reichenau · Erich von Manstein
Babyn Jar (Babi Jar)
Am 29. und 30. September 1941 erschoss das Sonderkommando 4a unter Paul Blobel zusammen mit Kräften im Verantwortungsbereich Friedrich Jeckelns in der Schlucht Babyn Jar bei Kyjiw 33.771 jüdische Frauen, Männer und Kinder. In den folgenden Monaten ermordeten deutsche Einheiten dort Zehntausende weitere Menschen.
Personen: Paul Blobel · Friedrich Jeckeln
Frühe Massentötungen mit Giftgas
Im September 1941 ermordete die SS in Auschwitz sowjetische Kriegsgefangene und kranke Häftlinge bei Versuchen mit Zyklon B. Am 8. Dezember nahm die Tötungsstätte Kulmhof bei Chełmno nad Nerem den Betrieb auf; dort wurden Jüdinnen und Juden aus dem Wartheland in Gaswagen ermordet. Systematische Tötung durch Gas trat neben die Massenerschießungen als zentrales Mordverfahren des Holocaust.
Personen: Rudolf Höss · Arthur Greiser · Wilhelm Koppe
Völkermord an Sinti und Roma
NS-Deutschland und seine Verbündeten verfolgten und ermordeten Sinti und Roma parallel zum Holocaust. Einsatzgruppen erschossen Roma in den besetzten Ostgebieten; Zehntausende wurden in Ghettos und Lager verschleppt. In Auschwitz-Birkenau ermordete die SS in der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 etwa 4.300 noch lebende Gefangene des sogenannten Zigeunerfamilienlagers. Die Gesamtschätzungen unterscheiden sich erheblich und bleiben Gegenstand der Forschung.
Personen: Heinrich Himmler · Rudolf Höss · Arthur Nebe
Wannsee-Konferenz — 20. Januar
In einer Villa am Wannsee leitete Reinhard Heydrich eine Besprechung hoher Beamter zur Koordination von Deportation und Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden. Adolf Eichmann fertigte das Protokoll an. Die Konferenz setzte den bereits laufenden Holocaust nicht in Gang, sondern koordinierte die Beteiligung von Ministerien und Behörden an seiner europaweiten Durchführung.
Personen: Reinhard Heydrich · Adolf Eichmann · Heinrich Müller
„Aktion Reinhardt“
1942 nahmen die Tötungsstätten Bełżec, Sobibór und Treblinka den Betrieb auf, um die Jüdinnen und Juden des Generalgouvernements zu ermorden. Odilo Globocnik leitete die Aktion, Christian Wirth beaufsichtigte die Tötungsstätten. Bei der Massendeportation aus dem Warschauer Ghetto im Sommer 1942 wurden etwa 265.000 Menschen nach Treblinka deportiert und ermordet. Schätzungen für die gesamte „Aktion Reinhardt“ liegen bei etwa 1,7 bis 1,8 Millionen Ermordeten.
Personen: Odilo Globocnik · Christian Wirth · Franz Stangl · Heinrich Himmler
Deportationen von Jüdinnen und Juden aus West- und Südeuropa
Ab 1942 organisierten Mitarbeiter von Adolf Eichmanns Dienststelle Deportationen aus dem besetzten West- und Südeuropa. Die Razzia im Pariser Vélodrome d’Hiver und Durchgangslager wie Drancy, Westerbork und Mechelen wurden Stationen auf dem Weg nach Auschwitz. Theodor Dannecker und Alois Brunner koordinierten Transporte innerhalb von Polizeiapparaten unter Funktionären wie Karl Oberg und Hanns Albin Rauter.
Personen: Theodor Dannecker · Alois Brunner · Karl Oberg · Hanns Albin Rauter · Arthur Seyss-Inquart
Attentat auf Heydrich und deutsche Vergeltung — Lidice
Tschechoslowakische Fallschirmjäger verwundeten Reinhard Heydrich am 27. Mai 1942 in Prag tödlich; er starb am 4. Juni. Bei den deutschen Vergeltungsmaßnahmen wurde Lidice am 10. Juni zerstört: 173 Männer wurden erschossen, Frauen nach Ravensbrück deportiert und die meisten Kinder ermordet. Auch Ležáky wurde vernichtet. Karl Hermann Frank gehörte zu den führenden Verantwortlichen des folgenden Terrors.
Personen: Reinhard Heydrich · Karl Hermann Frank
Aktion 1005 — Beseitigung von Spuren
Mit der Sonderaktion 1005 versuchte die SS, Massenmorde zu verschleiern. Zu Sonderkommandos gezwungene Gefangene öffneten Massengräber und verbrannten Leichen von Opfern der Erschießungen und Tötungsstätten. Paul Blobel, zuvor Kommandeur des Sonderkommandos 4a in Babyn Jar, leitete die Aktion. Sie vernichtete Beweise und viele der Zwangsarbeiter, konnte die Verbrechen aber nicht aus der Überlieferung tilgen.
Personen: Paul Blobel
Aufstand im Warschauer Ghetto
Angesichts der endgültigen Auflösung des Ghettos leisteten Kämpferinnen und Kämpfer der Jüdischen Kampforganisation und des Jüdischen Militärverbands ab 19. April 1943 Widerstand gegen SS und Polizei. Deutsche Einheiten schlugen den Aufstand bis 16. Mai nieder und brannten das Ghetto Haus für Haus ab. Etwa 13.000 Jüdinnen und Juden starben dort, Zehntausende wurden in Tötungsstätten und Zwangsarbeitslager deportiert.
Personen: Heinrich Himmler · Friedrich-Wilhelm Krüger
Auflösung der Ghettos und „Aktion Erntefest“
1943 lösten deutsche Kräfte Ghettos im besetzten Polen und in den Ostgebieten auf, ermordeten Bewohner vor Ort oder deportierten sie in Tötungsstätten. Am 3. und 4. November erschossen SS- und Polizeieinheiten bei der „Aktion Erntefest“ etwa 42.000 Jüdinnen und Juden in Majdanek, Poniatowa und Trawniki — die größte einzelne deutsche Massenerschießungsaktion des Krieges.
Personen: Heinrich Himmler
Generalplan Ost und Vertreibungen aus der Region Zamość
Der Generalplan Ost sah Vertreibung, Ausbeutung und Vernichtung von Millionen Menschen vor, um Raum für deutsche Besiedlung zu schaffen; Konrad Meyer arbeitete an seinen Planungsgrundlagen. In der Region Zamość vertrieben deutsche Stellen von November 1942 bis März 1943 etwa 110.000 Polen aus 297 Dörfern. Familien wurden getrennt, Kinder rassistisch selektiert und viele Menschen nach Auschwitz oder zur Zwangsarbeit verschleppt.
Personen: Heinrich Himmler · Odilo Globocnik · Konrad Meyer · Friedrich-Wilhelm Krüger
Verbrecherische Menschenversuche
SS-Ärzte führten an KZ-Häftlingen erzwungene und häufig tödliche Versuche durch. Karl Gebhardt und Herta Oberheuser nahmen in Ravensbrück Sulfonamid- und Knochenversuche vor; Carl Clauberg führte Sterilisationsversuche durch, Josef Mengele selektierte in Auschwitz Opfer für Experimente. Wolfram Sievers verwaltete Ahnenerbe-Projekte, darunter den Mord an Menschen für eine Skelettsammlung. Karl Brandt nahm eine führende Stellung im medizinischen Apparat ein.
Personen: Karl Gebhardt · Herta Oberheuser · Carl Clauberg · Josef Mengele · Wolfram Sievers · Karl Brandt
Vernichtung der ungarischen Jüdinnen und Juden
Nach der deutschen Besetzung Ungarns im März 1944 organisierte Adolf Eichmanns Kommando gemeinsam mit ungarischen Behörden die Deportationen. Vom 15. Mai bis 9. Juli wurden etwa 440.000 Jüdinnen und Juden deportiert, die meisten nach Auschwitz-Birkenau, wo die Mehrheit kurz nach der Ankunft ermordet wurde. SS-Ärzte, darunter Josef Mengele, führten Selektionen an der Rampe durch.
Personen: Adolf Eichmann · Rudolf Höss · Josef Mengele
Warschauer Aufstand und Verbrechen an Zivilisten
Während der Niederschlagung des Warschauer Aufstands vom 1. August bis 2. Oktober 1944 begingen deutsche Kräfte Massenverbrechen an Zivilisten. In den ersten Tagen wurden in Wola Zehntausende Menschen ermordet, unter anderem durch Oskar Dirlewangers Formation. Nach der Kapitulation vertrieben deutsche Behörden die Bevölkerung und zerstörten die Stadt systematisch.
Personen: Oskar Dirlewanger · Heinrich Himmler
Todesmärsche
Als die Fronten näher rückten, räumte die SS Konzentrationslager und trieb die Häftlinge ins Innere des Reichs. Im Januar 1945 wurden etwa 56.000 Auschwitz-Häftlinge bei winterlichen Bedingungen zu Fuß nach Westen gezwungen; Wachmannschaften ermordeten Menschen, die nicht weitergehen konnten. Zehntausende starben auf Märschen und Transporten aus geräumten Lagern.
Personen: Richard Glücks
Befreiung der Lager, deutsche Kapitulation und Ende des Regimes
Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee Auschwitz; im Frühjahr erreichten alliierte Truppen unter anderem Buchenwald, Bergen-Belsen, Dachau und Mauthausen und dokumentierten die Verbrechen. Hitler beging am 30. April Suizid, Goebbels am folgenden Tag. Deutschland kapitulierte am 8. Mai bedingungslos. Himmler tötete sich nach seiner Festnahme; weitere Regimeführer kamen in alliierte Haft.
Personen: Adolf Hitler · Joseph Goebbels · Heinrich Himmler
Nachkriegsprozesse und juristische Aufarbeitung
Ausgewählte Verfahren, die unterschiedliche Ebenen der Verantwortung rekonstruierten und zugleich die Grenzen der Nachkriegsjustiz sichtbar machen.
Internationaler Militärgerichtshof in Nürnberg
Ab 20. November 1945 verhandelte der Internationale Militärgerichtshof gegen führende deutsche Kriegsverbrecher wegen Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Das Urteil vom 1. Oktober 1946 verhängte zwölf Todesstrafen, darunter gegen Martin Bormann in Abwesenheit. Hermann Göring beging vor der Hinrichtung Suizid; zehn weitere Verurteilte wurden am 16. Oktober hingerichtet. Der Prozess wurde zu einer Grundlage des modernen Völkerstrafrechts.
Personen: Hermann Göring · Joachim von Ribbentrop · Wilhelm Keitel · Ernst Kaltenbrunner · Alfred Rosenberg · Hans Frank · Wilhelm Frick · Julius Streicher · Fritz Sauckel · Alfred Jodl · Arthur Seyss-Inquart · Martin Bormann
Nürnberger Nachfolgeprozesse
Zwölf Verfahren vor US-amerikanischen Militärgerichten untersuchten Ärzte, Juristen, SS-Wirtschaftsverwalter, Einsatzgruppenkommandeure, Ministerien, Industrielle und militärische Führer. Karl Brandt, Karl Gebhardt, Oswald Pohl, Otto Ohlendorf und Paul Blobel gehörten zu den zum Tode Verurteilten. Die Akten dokumentierten die Rolle professioneller, wirtschaftlicher und bürokratischer Eliten bei den NS-Verbrechen.
Personen: Karl Brandt · Karl Gebhardt · Oswald Pohl · Otto Ohlendorf · Paul Blobel · Hans Lammers
Prozesse vor dem Obersten Nationalen Tribunal Polens
In sieben Verfahren urteilte das Tribunal über Täter von Verbrechen im besetzten Polen. Arthur Greiser, Amon Göth und Rudolf Höss wurden hingerichtet; Albert Forster wurde 1948 zum Tode verurteilt und 1952 hingerichtet. Das Gericht verhandelte außerdem gegen Angehörige des Auschwitz-Personals. In einem getrennten Verfahren verurteilte ein Gericht in Łódź Hans Biebow zum Tode.
Personen: Arthur Greiser · Amon Göth · Rudolf Höss · Hans Biebow · Albert Forster
Eichmann-Prozess in Jerusalem
Der im Mai 1960 in Argentinien gefasste Adolf Eichmann stand ab 11. April 1961 in Jerusalem wegen seiner Rolle bei den Deportationen und im Holocaust vor Gericht. Die Aussagen von mehr als hundert Überlebenden brachten die Erfahrungen der Opfer in bis dahin beispielloser Weise an eine internationale Öffentlichkeit. Im Dezember 1961 wurde Eichmann zum Tode verurteilt und am 1. Juni 1962 hingerichtet.
Personen: Adolf Eichmann
Frankfurter Auschwitz-Prozess
Vom 20. Dezember 1963 bis August 1965 verhandelte das Landgericht Frankfurt am Main gegen 22 frühere Angehörige und Funktionsträger des Auschwitz-Komplexes. Etwa 360 Zeuginnen und Zeugen sagten aus, darunter viele Überlebende. Die Urteile reichten bis zu lebenslangen und mehrjährigen Freiheitsstrafen; der Prozess konfrontierte die westdeutsche Gesellschaft mit lange verdrängten Verbrechen.
Personen: Josef Mengele
Prozess gegen Franz Stangl in Düsseldorf
Franz Stangl, früherer Kommandant von Sobibór und Treblinka, wurde 1967 aus Brasilien ausgeliefert und 1970 in Düsseldorf angeklagt. Am 22. Dezember wurde er wegen gemeinschaftlicher Beihilfe zum Mord an mindestens 400.000 Menschen in Treblinka zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Er starb im Juni 1971 in Haft.
Personen: Franz Stangl
Besetztes Polen — Forschungscluster der dritten Welle
Ergänzende Chronologie von Aktionen, Orten und Ereignissen, die mit den in der dritten Welle aufgenommenen Profilen verbunden sind.
Intelligenzaktion
Deutsche Aktionen gegen polnische politische, gesellschaftliche, religiöse und berufliche Eliten, regional durchgeführt von Sicherheitspolizei und SD, SS, Polizei und Volksdeutschem Selbstschutz.
Personen: Werner Best · Lothar Beutel · Ernst Damzog · Udo von Woyrsch · Rudolf Tröger · Emanuel Schäfer
Quellen: przystanekhistoria.pl · encyclopedia.ushmm.org
Unternehmen Tannenberg
Vor dem Überfall auf Polen vorbereitete Operation des Sicherheitsapparats zur Erfassung, Fahndung, Festnahme und Ausschaltung von Menschen, die als Gegner der deutschen Besatzung eingestuft wurden. Sie bildete einen operativen Rahmen für die Einsatzgruppen 1939.
Personen: Werner Best · Lothar Beutel · Ernst Damzog · Udo von Woyrsch · Emanuel Schäfer
Quellen: poznan.ipn.gov.pl · edukacja.ipn.gov.pl
Intelligenzaktion Pommern
Regionaler Komplex von Vernichtungsaktionen in Pommern, durchgeführt von Einsatzkommando 16, SS-Verbänden, Volksdeutschem Selbstschutz und Polizei unter Verantwortung der Bezirksbehörden.
Personen: Richard Hildebrandt · Rudolf Tröger · Friedrich Class · Kurt Eimann
Quellen: przystanekhistoria.pl · muzeumpiasnickie.pl
AB-Aktion
Außerordentliche Repressionsaktion im Generalgouvernement gegen polnische Eliten und Milieus, denen die Besatzer die Fähigkeit zur Organisation von Widerstand zuschrieben. Zivilverwaltung, Sicherheitspolizei und SD sowie weitere Polizeikräfte setzten sie um.
Personen: Josef Meisinger · Ludwig Hahn · Otto Wächter · Max Daume
Quellen: edukacja.ipn.gov.pl · palmiry.muzeumwarszawy.pl
Massenerschießungsstätten von Piaśnica
Komplex von Hinrichtungsorten in den Wäldern von Piaśnica, der Einsatzkommando 16, SS-Wachsturmbann Eimann, Volksdeutschen Selbstschutz, Polizei und Bezirksbehörden verband.
Personen: Richard Hildebrandt · Rudolf Tröger · Friedrich Class · Kurt Eimann
Quellen: muzeumpiasnickie.pl · konferencja.isppan.waw.pl
Massenerschießungsstätte Palmiry
Ort, an dem deutsche Kräfte politische Gefangene und Angehörige polnischer Eliten aus dem Distrikt Warschau ermordeten; eng verbunden mit der AB-Aktion und dem Gefängnis Pawiak.
Personen: Josef Meisinger · Ludwig Hahn · Walter Stamm
Quellen: palmiry.muzeumwarszawy.pl · ofiary.ipn.gov.pl
Vertreibungen aus der Region Zamość
Programm von Vertreibung, rassistischer Selektion, Trennung von Familien, Deportation und deutscher Besiedlung, umgesetzt von SS, Polizei, Umwandererzentralstelle und Besatzungsverwaltung.
Personen: Hermann Krumey · Richard Wendler · Werner Lorenz · Otto Hofmann
Quellen: ipn.gov.pl · majdanek.eu · lekcja.auschwitz.org
Massaker von Wola
Komplex von Massenverbrechen an der Zivilbevölkerung des Warschauer Stadtteils Wola in den ersten Augusttagen, begangen von SS, Polizei und Hilfsformationen bei der Niederschlagung des Warschauer Aufstands.
Personen: Heinz Reinefarth · Alfred Spilker · Ludwig Hahn
Quellen: ipn.gov.pl · muzeumwarszawy.pl
Verbrechen in Warschauer Krankenhäusern während des Aufstands
Dokumentierte Morde an Patientinnen, Patienten und Personal sowie gewaltsame Vertreibungen aus Krankenhäusern in mehreren Warschauer Stadtteilen. Die Kategorie fasst unterschiedliche Tatorte, Einheiten und Befehlsketten nicht zu einem einzigen Geschehen zusammen.
Personen: Heinz Reinefarth · Paul Otto Geibel · Bronislav Kaminski
Quellen: edukacja.ipn.gov.pl · encyclopedia.ushmm.org
Dulag 121 Pruszków und die Vertreibung der Warschauer Bevölkerung
Durchgangslager und zentraler Knotenpunkt für Vertreibung, Selektion und weitere Deportation der Einwohnerinnen und Einwohner Warschaus während und nach der Niederschlagung des Warschauer Aufstands.
Personen: Paul Otto Geibel · Heinz Reinefarth · Max Frauendorfer
Quellen: encyclopedia.ushmm.org · eng.ipn.gov.pl
Vierte Welle — Handlungsketten des Besatzungsapparats
Ereignisse, die Verwaltungsentscheidungen, regionale Polizeidienststellen, Raublogistik und unmittelbare Gewalt miteinander verbinden.
Bydgoszcz: Übergang von Militärherrschaft zu Polizeiterror
Im Herbst 1939 bildeten aufeinanderfolgende Strukturen von Wehrmacht, Einsatzgruppen, Gestapo und Selbstschutz ein miteinander verbundenes, institutionell jedoch gegliedertes System von Verhaftungen, Selektionen und Hinrichtungen.
Personen: Walter Braemer · Jakob Lölgen · Rudolf Tröger
Anordnung zur Errichtung des Ghettos Łódź
Verbundener Mechanismus aus Regierungsbezirk, Stadtverwaltung, Ghettoverwaltung und Gestapo: von Errichtung und Abriegelung des Ghettos bis zu Ausbeutung, Raub und Deportationen nach Kulmhof.
Personen: Friedrich Uebelhoer · Werner Ventzki · Hans Biebow · Otto Bradfisch · Günter Fuchs
Sonderkommando Lange ermordet Psychiatriepatienten
Die von Herbert Lange geführte Sondereinheit der Sicherheitspolizei ermordete Patientinnen und Patienten psychiatrischer Einrichtungen im Wartheland. Personal und Erfahrungen der Einheit bildeten später einen Kern des Tötungsapparats in Kulmhof.
Personen: Herbert Lange · Wilhelm Koppe · Arthur Greiser
Polizeistandgericht tagt in Block 11 von Auschwitz
Das Organ der Sicherheitspolizei fällte in beschleunigten Verfahren Urteile gegen Menschen, die als Feinde der Besatzungsmacht eingestuft wurden. Sitzungen in Block 11 endeten häufig mit der sofortigen Hinrichtung.
Personen: Rudolf Mildner · Maximilian Grabner
„Werterfassung“ beschlagnahmt Eigentum nach Deportationen aus dem Warschauer Ghetto
Der Apparat erfasste, sortierte und überführte Eigentum deportierter und ermordeter Bewohnerinnen und Bewohner. Er bildete einen wirtschaftlichen und logistischen Bestandteil der Auflösung des Ghettos.
Personen: Franz Konrad · Jürgen Stroop · Ludwig Hahn
Kulmhof wieder in Betrieb, Deportationen aus Łódź fortgesetzt
Das Sonderkommando Bothmann baute 1944 die Tötungsinfrastruktur wieder auf. Die Deportation von Bewohnerinnen und Bewohnern des Ghettos Łódź, die in Gaswagen ermordet wurden, begann erneut.
Personen: Hans Bothmann · Arthur Greiser · Otto Bradfisch · Günter Fuchs
Auflösung des Gefängnisses Radogoszcz
Radogoszcz war ein deutsches Gefängnis im besetzten Łódź, geprägt von systematischer Gewalt, Folter und Todesfällen in Haft. Bei der Auflösung massakrierte das Personal Gefangene und setzte das Gebäude in Brand.
Personen: Walter Pelzhausen · Otto Bradfisch