Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe
Paul Blobel
Paul Blobel war Kommandeur des Sonderkommandos 4a und Organisator der Aktion 1005. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (besetzte Ukraine und Massengrabstätten im besetzten Osteuropa) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.
Gesicherte Befunde
- Nach dem Überfall auf die Sowjetunion befehligte Blobel das Sonderkommando 4a der Einsatzgruppe C in der besetzten Ukraine.
- Seine Einheit verübte am 29. und 30. September 1941 das Massaker von Babyn Jar sowie weitere Massenerschießungen jüdischer Zivilpersonen und als Feinde eingestufter Menschen.
- Im Juni 1942 beauftragte Heinrich Müller Blobel mit der Aktion 1005, die Massengräber öffnete, Leichen verbrannte und zahlreiche Zwangsarbeiter ermordete, um Beweise zu vernichten.
Stellung in der Verantwortungskette
Blobels Verantwortung umfasste sowohl eine operative Tötungseinheit als auch ein späteres Programm zur Vernichtung von Beweisen. Das Profil wahrt die Verantwortung vorgesetzter RSHA-Behörden und beteiligter lokaler Einheiten.
Zentrale Ereignisse und Mechanismen
- Kommando über das Sonderkommando 4a nach Juni 1941
- Massaker von Babyn Jar, 29.–30. September 1941
- Leitung der Aktion 1005, ab Juni 1942
Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.
Aufarbeitung nach 1945
Ein amerikanisches Militärgericht verurteilte Blobel im Einsatzgruppenprozess wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Mitgliedschaft in einer verbrecherischen Organisation zum Tode. Er wurde in der Nacht vom 7. auf den 8. Juni 1951 in Landsberg gehängt.
Grenzen der Quellenlage
Weil die Aktion 1005 Beweise vernichtete, bleiben exakte Zahlen schwer feststellbar. Das Profil schreibt Blobel nicht jedes von Einheiten außerhalb der dokumentierten Programmstruktur bearbeitete Massengrab zu.
Quellen
Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.