Methodik und Quellenpolitik
Nazi Report ist ein Bildungsarchiv über Täter und Institutionen, die Verfolgung, Besatzungsgewalt und Massenmord ermöglichten. Die sieben Kreise des Projekts beschreiben die Stellung einer Person in einer Befehlskette: oberste Entscheidung, strategische Koordination, Programmentwurf, territoriale Herrschaft, operatives Kommando, ermöglichende Verwaltung und lokale Ausführung. Die Kreise sind keine Rangfolge des Leidens, der Bekanntheit oder der Opferzahlen.
Ein Profil wird nur veröffentlicht, wenn seine zentralen Aussagen durch mindestens zwei voneinander unabhängige und glaubwürdige Quellen belegt werden können. Bevorzugt werden Archivbestände, Prozessakten, Forschungsinstitute, Gedenkstätten und Museen, begutachtete wissenschaftliche Arbeiten sowie Institutionen wie das Institut für Nationales Gedenken, das United States Holocaust Memorial Museum, Yad Vashem und das Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau. Eine häufig wiederholte Behauptung gilt nicht als unabhängig bestätigt, wenn jede Wiederholung auf denselben Ursprungstext zurückgeht.
Jedes Profil trennt dokumentierte Feststellungen von der Interpretation. Amt, Dienstzeit, geografischer Zuständigkeitsbereich, Befehle, Verwaltungsakte und nachgewiesenes Handeln einer Person bilden die Tatsachengrundlage. Der interpretierende Abschnitt erläutert anschließend, wie diese Funktion Entscheidungen mit ihrer Umsetzung verband. Wenn eine Dienststelle, Einheit oder Regionalbehörde zahlreiche Verbrechen beging, schreibt das Profil nicht automatisch jede Tat ihrem Leiter zu.
Die juristische Aufarbeitung nach 1945 ist Teil des historischen Mechanismus und kein bloßer Epilog. Das Archiv hält fest, ob gegen eine Person ermittelt wurde, ob sie vor Gericht stand, verurteilt, freigesprochen oder entlassen wurde oder sich niemals vor Gericht verantworten musste. Es unterscheidet zwischen Vorwürfen, gerichtlichen Tatsachenfeststellungen und rechtskräftigen Urteilen. Ein Freispruch oder die Einstellung eines Ermittlungsverfahrens wird korrekt wiedergegeben, ohne daraus die Behauptung abzuleiten, die zugrunde liegende Verfolgung habe nicht stattgefunden.
Unsicherheit bleibt sichtbar. Widersprüchliche Datierungen, unvollständige Akten, strittige Zuständigkeiten und Unterschiede zwischen Anklage und Urteil werden auf der Seite benannt. Das Projekt erstellt keine Rangliste auf Grundlage geschätzter Opferzahlen. Verantwortung kann sich zwischen politischer Führung, Polizeikommando, Zivilverwaltung, Transportwesen, Eigentumsentzug und Ausführung am Tatort überschneiden; Zahlen auf Profilebene würden viele derselben Opfer mehrfach zählen.
Publikationsgrundsätze
- Funktion und Handlungsmacht statt einer Rangfolge nach Opferzahlen
- Mindestens zwei voneinander unabhängige, glaubwürdige Quellen je veröffentlichtem Profil
- Klare Trennung von bestätigten Feststellungen, Interpretation und Unsicherheit
- Keine automatische Zuschreibung jedes Verbrechens einer Einheit oder Region an eine einzelne Person
- Nachkriegsermittlungen und Urteile mit ihren rechtlichen Grenzen dargestellt
- Porträts nur bei bestätigter freier Lizenz