Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe
Richard Glücks
Richard Glücks war Inspekteur der Konzentrationslager und Leiter der Amtsgruppe D des WVHA. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (zentrale Verwaltung des SS-Konzentrationslagersystems) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.
Gesicherte Befunde
- Glücks wurde am 15. November 1939 Inspekteur der Konzentrationslager, nachdem er als Stabschef Theodor Eickes gedient hatte.
- Im Februar 1940 schlug er die ehemalige Kaserne in Oświęcim als Standort für ein neues Lager vor und übermittelte den Befehl zur Errichtung von Auschwitz unter Rudolf Höss.
- Ab 1942 leitete er die Amtsgruppe D des WVHA und erteilte Lagerkommandanten Weisungen zu Zwangsarbeit, Selektionen, Krematorien und dem Zugang zu Gefangenen für Experimente.
Stellung in der Verantwortungskette
Glücks war das zentrale Aufsichtsglied zwischen WVHA-Politik und einzelnen Lagerkommandanten. Sein Amt ersetzte nicht die Handlungsmacht Pohls, der Lagerkommandanten, des medizinischen Personals oder der Arbeitgeber.
Zentrale Ereignisse und Mechanismen
- Ernennung zum Inspekteur der Konzentrationslager, 15. November 1939
- Auswahl und Errichtung des Standorts Auschwitz, 1940
- Eingliederung der Inspektion in das WVHA als Amtsgruppe D, 1942
Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.
Aufarbeitung nach 1945
Glücks stand nie vor Gericht. Die meisten Darstellungen besagen, dass er am 10. Mai 1945 in Flensburg-Mürwik durch Zyankalivergiftung starb; sein Vorgesetzter Oswald Pohl sowie Lagerkommandanten, darunter Rudolf Höss, wurden später verfolgt.
Grenzen der Quellenlage
Die berichteten Umstände von Glücks' Tod sind weniger gesichert als sein Kriegsamt. Das Profil schreibt nicht alle Verbrechen aller Konzentrationslager einer persönlichen Weisung von ihm zu.
Quellen
Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.