Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe
Richard von Hegener
Richard von Hegener war Mitarbeiter der Kanzlei des Führers und stellvertretender Leiter des Reichsausschusses, verantwortlich für die administrative Organisation der Tötung von Kindern und Patienten. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Deutschland / Deutsches Reich) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.
Gesicherte Befunde
- Als Mitarbeiter der Kanzlei des Führers und stellvertretender Leiter des Reichsausschusses war er gemeinsam mit Hans Hefelmann für den organisatorischen und administrativen Ablauf des Programms zur Tötung von als behindert eingestuften Kindern verantwortlich.
- Die Meldungen über Kinder liefen über die Dienststelle Hefelmanns oder die seines Stellvertreters Hegener und wurden anschließend einem Gutachtergremium vorgelegt; die erhaltene Rekonstruktion des Falls Wolfgang Götz-Zerban macht diesen konkreten Ablauf sichtbar.
- Am 17. Dezember 1941 nahm er in Düsseldorf an einer Besprechung mit medizinischem Personal über die Aufgaben einer Kinderfachabteilung und die Durchführung des Programms teil.
- Nach dem Krieg benutzte er den Namen Richard Wegener. Das Gericht in Magdeburg verurteilte ihn am 20. Februar 1952 wegen seiner Beteiligung an Organisation und Durchführung des Programms zu lebenslanger Haft; 1956 fiel er unter eine Amnestie und wurde entlassen.
Stellung in der Verantwortungskette
Hegener erklärt das administrative Mittelstück der Kette: Annahme einer Meldung, Vorbereitung des Aktenlaufs, Kontakt mit Gutachtern und Fachabteilungen sowie Organisation des Programms. Die Verurteilung erlaubt es, diese Verantwortung von der medizinischen Begutachtung durch Ärzte zu unterscheiden.
Zentrale Ereignisse und Mechanismen
- Einbindung in die Verwaltung des Reichsausschuss-Programms ab 1939
- Bearbeitung von Meldungen und Koordination des Netzes der Kinderfachabteilungen während des Krieges
- Besprechung zur Kinderfachabteilung in Düsseldorf am 17. Dezember 1941
- lebenslanges Urteil in Magdeburg am 20. Februar 1952 und Entlassung aufgrund einer Amnestie 1956
Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.
Aufarbeitung nach 1945
Nach dem Krieg trat er unter dem Namen Richard Wegener auf und fand eine Anstellung in Mecklenburg. Vor einem Gericht in Magdeburg wurde er am 20. Februar 1952 zu lebenslanger Haft verurteilt. 1956 kam er infolge einer Amnestie frei; er starb 1981.
Grenzen der Quellenlage
Hegener organisierte den Aktenlauf und die Durchführung des Programms, doch die medizinischen Meldebögen wurden auch von bestellten ärztlichen Gutachtern bewertet; ohne seine Unterschrift auf einem konkreten Bogen darf ihm nicht jede medizinische Entscheidung persönlich zugeschrieben werden. Teile der Magdeburger Prozessakten sind nicht vollständig erhalten, was die Rekonstruktion der Grundlage jeder einzelnen Urteilsfeststellung begrenzt.
Quellen
Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.