Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe
Karl Rasche
Karl Rasche war Vorstandsmitglied der Dresdner Bank, verantwortlich für die Expansion der Bank, die Finanzierung von SS-Unternehmen und die Übernahme von Vermögenswerten im besetzten Europa. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Deutschland · Tschechoslowakei · besetztes Europa) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.
Gesicherte Befunde
- Als Vorstandsmitglied der Dresdner Bank war er ein wichtiger Verbindungsmann der Bank zu Staatsführung, Partei und Rüstungsindustrie und beteiligte sich an der Expansion in annektierte und besetzte Gebiete.
- 1939 befürwortete er einen Kredit von fünf Millionen Reichsmark an die SS-eigene Deutsche Erd- und Steinwerke; das Urteil dokumentiert weitere Finanzierungen von SS-Unternehmen, die Häftlinge und Zwangsarbeiter einsetzten.
- Das Prozessmaterial verbindet ihn mit der wirtschaftlichen Durchdringung der Tschechoslowakei, der Übernahme von Banken und Unternehmen sowie Arisierungsgeschäften.
- Das Tribunal sprach ihn vom Anklagepunkt 5 zur Sklavenarbeit frei, verurteilte ihn jedoch wegen Raubes und Plünderung in Anklagepunkt 6 sowie wegen SS-Mitgliedschaft in Anklagepunkt 8 zu sieben Jahren Haft.
Stellung in der Verantwortungskette
Rasche zeigt die Bank als ein Glied, das Expansion, Übernahmen und Kreditierung der SS-Wirtschaft ermöglichte. Der dokumentierte Umstand, dass Unternehmen finanziert wurden, die Zwangsarbeit nutzten, ist vom Umfang der rechtskräftigen Verurteilung zu trennen.
Zentrale Ereignisse und Mechanismen
- Eintritt in den Vorstand der Dresdner Bank und Ausbau der Geschäfte in annektierten Gebieten nach 1938
- Befürwortung des Kredits für die Deutsche Erd- und Steinwerke im Jahr 1939
- Beteiligung an Übernahmen und der Bankexpansion in der besetzten Tschechoslowakei
- Urteil im Ministerien-Prozess 1949 und Entlassung 1950
Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.
Aufarbeitung nach 1945
Im Ministerien-Prozess wurde er wegen Raubes und Plünderung sowie seiner Mitgliedschaft in der SS zu sieben Jahren Haft verurteilt. Im August 1950 verließ er das Gefängnis; er starb im September 1951.
Grenzen der Quellenlage
Das Tribunal hielt die Kredite an SS-Unternehmen und Rasches Kenntnis ihrer Praktiken für dokumentiert, sprach ihn jedoch in Anklagepunkt 5 frei, weil die bloße Kreditgewährung nach der angewandten rechtlichen Einordnung nicht ausreichte. Das Profil darf nicht behaupten, er sei wegen der Finanzierung von Sklavenarbeit verurteilt worden; die Verurteilung betraf Raub und Plünderung sowie die SS.
Quellen
Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.