Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe
Paul Salitter
Paul Salitter war Hauptmann der Schutzpolizei und Führer des Begleitkommandos für den Deportationstransport Düsseldorf–Riga im Dezember 1941. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Düsseldorf · Riga · besetzte Ukraine) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.
Gesicherte Befunde
- Während eines Begleiteinsatzes vom 11. bis 17. Dezember 1941 führte er das polizeiliche Begleitkommando des Transports Da 38; die Fahrt mit 1.007 Juden aus Düsseldorf und Umgebung nach Riga selbst dauerte vom 11. bis 14. Dezember.
- Er verfasste einen vertraulichen Bericht über Vorbereitung, Verlauf, Bedingungen und Gewaltanwendung während des Transports; das erhaltene Dokument erlaubt die Rekonstruktion der Ausführungslogistik der Deportation.
- Später diente er als Aufsichtsoffizier beim ukrainischen Schutzmannschafts-Bataillon 101; Material von Yad Vashem verbindet ihn zudem mit der Absicherung mindestens einer Massenerschießung.
- Nach dem Krieg wurde er aus dem Polizeidienst entfernt, bemühte sich erfolglos um Wiedereinstellung und stand trotz eines Ermittlungsverfahrens nie vor Gericht.
Stellung in der Verantwortungskette
Das Profil zeigt einen Eisenbahn-Deportationstransport von der Zusammenstellung der Menschen über die Zuweisung der Eskorte und die Bedingungen der Fahrt bis zum Bericht des Kommandoführers. Salitters Verantwortung ergibt sich aus seiner eigenen Befehlsführung und seinem Dokument, nicht aus einer automatischen Zurechnung der späteren Ermordung aller Deportierten.
Zentrale Ereignisse und Mechanismen
- Übernahme der Führung des Begleitkommandos für Transport Da 38 im Dezember 1941
- Fahrt des Transports mit 1.007 Menschen von Düsseldorf nach Riga vom 11. bis 14. Dezember 1941 im Rahmen eines bis zum 17. Dezember dauernden Begleiteinsatzes
- Abfassung des vertraulichen Transportberichts
- Entlassung aus dem Polizeidienst nach dem Krieg und Ermittlungen ohne Prozess
Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.
Aufarbeitung nach 1945
Nach Internierung und Entnazifizierungsverfahren wurde er nicht wieder in den Polizeidienst aufgenommen. Ermittlungsbehörden untersuchten seine Tätigkeit, doch kam es weder zur Anklage noch zu einem Urteil; er starb 1972.
Grenzen der Quellenlage
Salitters Bericht ist eine Täterquelle und muss mit den Aussagen der Deportierten abgeglichen werden. Ohne zusätzliche Belege dürfen ihm weder die Ermordung sämtlicher Menschen des Transports noch alle Verbrechen des Bataillons 101 zugerechnet werden; die Quellen erlauben lediglich den vorsichtigen Hinweis auf seine Beteiligung an der Absicherung mindestens einer Hinrichtung.
Quellen
Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.