Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe

Adolf Eichmann

in Israel verurteilt und 1962 hingerichtet 1906–1962

Adolf Eichmann war Leiter des RSHA-Referats für jüdische Angelegenheiten und Deportationen. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Deportationsnetzwerke im deutsch besetzten und verbündeten Europa) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.

KriegsverbrechenVerbrechen gegen die MenschlichkeitShoahZwangsarbeit

Gesicherte Befunde

  • Eichmann leitete nach dem Anschluss die Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Wien und verband erzwungene Ausreise mit systematischer Konfiskation.
  • Ab 1941 leitete er das RSHA-Referat IV B4, das Züge, Strecken, Kontingente und Fahrpläne für Deportationen in Ghettos und Tötungszentren organisierte.
  • 1944 arbeitete er in Budapest und leitete persönlich die Deportation von etwa 440.000 ungarischen Jüdinnen und Juden, überwiegend nach Auschwitz-Birkenau.

Stellung in der Verantwortungskette

Eichmanns Verantwortung zeigt, wie Eisenbahnplanung, behördenübergreifende Verhandlungen und administrative Durchsetzung zu Instrumenten des Massenmords wurden. Sie ist von der Verantwortung nationaler Behörden, Eisenbahnstellen und des Personals der Tötungszentren zu unterscheiden, jedoch mit ihr verbunden.

Zentrale Ereignisse und Mechanismen

  • Wannsee-Konferenz, bei der Eichmann das Protokoll führte, 20. Januar 1942
  • Deportation ungarischer Jüdinnen und Juden, Mai–Juli 1944
  • Jerusalemer Prozess, 1961
Keine Rangliste nach Opferzahlen

Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.

Aufarbeitung nach 1945

Eichmann floh unter dem Namen Ricardo Klement nach Argentinien. Israelische Agenten nahmen ihn 1960 fest; ein Jerusalemer Gericht verurteilte ihn unter anderem wegen Verbrechen gegen das jüdische Volk, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen. Am 1. Juni 1962 wurde er gehängt.

Grenzen der Quellenlage

Das Profil konzentriert sich auf Eichmanns dokumentierte Deportationsrolle und vermeidet es, ihn als alleinigen Planer des Holocaust oder als unmittelbaren Täter jedes Todes nach einem Transport darzustellen.

Quellen

Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.