Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe
Hanns Albin Rauter
Hanns Albin Rauter war Höherer SS- und Polizeiführer und Generalkommissar für das Sicherheitswesen in den besetzten Niederlanden. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (besetzte Niederlande) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.
Gesicherte Befunde
- Rauter war ab 1940 Himmlers Vertreter und die höchste SS- und Polizeibehörde in den besetzten Niederlanden.
- Er kontrollierte Sicherheitspolizei, Ordnungspolizei, Lager und Gefängnisse und wirkte an Deportationen, Zwangsarbeit, der Verfolgung des Widerstands und Vergeltungsexekutionen mit.
- Ein niederländisches Sondergericht verurteilte ihn wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode.
Stellung in der Verantwortungskette
Rauters Ämter vereinigten die Polizeiinstitutionen, die Menschen verhafteten, festhielten und deportierten sowie Vergeltungsmaßnahmen durchführten. Seine Befehlsverantwortung ist gut dokumentiert, während an einzelnen Verbrechen auch nachgeordnete deutsche Dienste, die Besatzungsverwaltung und niederländische Kollaborateure beteiligt waren.
Zentrale Ereignisse und Mechanismen
- die Deportation von Jüdinnen und Juden über Westerbork nach Auschwitz, Sobibór und andere Lager
- die Vergeltungsexekutionen nach dem Anschlag bei Woeste Hoeve im März 1945
Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.
Aufarbeitung nach 1945
Niederländische Gerichte verurteilten Rauter; im Januar 1949 wurde das Todesurteil im Berufungsverfahren bestätigt. Am 24. März 1949 wurde er nahe Scheveningen durch ein Erschießungskommando hingerichtet.
Grenzen der Quellenlage
Quellen nennen leicht unterschiedliche Gesamtzahlen der aus den Niederlanden deportierten Jüdinnen und Juden, meist etwa 102.000 bis 110.000. Diese Deportationen waren ein koordinierter Prozess; Rauters hohe Befehlsrolle ist daher neben den eigenständigen Handlungen von Durchgangslager-, Bahn-, Polizei- und Zivilbehörden zu beschreiben.
Quellen
Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.