Deutsche Forschungsausgabe
Friedrich Uebelhoer
Friedrich Uebelhoer war Regierungspräsident des Regierungsbezirks Kalisz und Urheber der Anordnung zur Errichtung des Ghettos Łódź. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Łódź, der Regierungsbezirk Kalisz und der Reichsgau Wartheland) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.
Gesicherte Befunde
- Als Regierungspräsident unterzeichnete Uebelhoer die Anordnung vom 10. Dezember 1939 zur Organisation der Errichtung des Ghettos in Łódź.
- Das Dokument stellte das Ghetto als vorläufige Etappe dar und ordnete seine Errichtung dem Ziel der Entfernung der jüdischen Bevölkerung unter.
- Die administrative Isolierung ermöglichte die spätere Ausbeutung, Plünderung und Deportation.
Stellung in der Verantwortungskette
Das Profil zeigt, dass das Ghetto durch einen Verwaltungsakt und die Zusammenarbeit von Zivilbehörden, Polizei und Stadtverwaltung geschaffen wurde. Uebelhoer ist als Urheber und Aussteller einer Schlüsselentscheidung dokumentiert, nicht als alleiniger Schöpfer des gesamten Systems.
Zentrale Ereignisse und Mechanismen
- die Anordnung zur Errichtung des Ghettos Łódź vom 10. Dezember 1939
- die Abriegelung des Ghettos im Jahr 1940
Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.
Aufarbeitung nach 1945
Uebelhoer verschwand gegen Ende des Krieges. 1950 wurde er für tot erklärt; er stand nie vor Gericht.
Grenzen der Quellenlage
Die Anordnung und Uebelhoers Amt sind gut dokumentiert, sein endgültiges Schicksal dagegen nicht. Der Gründungsakt wird nicht mit der persönlichen Leitung jeder späteren Deportation gleichgesetzt.
Quellen
Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.