Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe
Hans Biebow
Hans Biebow war Leiter der deutschen Verwaltung des Ghettos Łódź. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Ghetto Łódź im Warthegau) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.
Gesicherte Befunde
- Seit Oktober 1940 leitete Biebow die deutsche Ghettoverwaltung, die im Ghetto Łódź Nahrungsmittelversorgung, Zwangsarbeit und die Umsetzung deutscher Deportationsbefehle kontrollierte.
- Er machte das Ghetto zu einem Produktionskomplex für Zwangsarbeit, während die Rationen unter dem Existenzminimum blieben und Hunger, Krankheit und Erschöpfung Bewohnerinnen und Bewohner töteten.
- Biebow beteiligte sich an den Vorbereitungen von Deportationen und Sammelaktionen; seine Behörde beschlagnahmte, sortierte und überführte das Eigentum der Opfer.
Stellung in der Verantwortungskette
Biebow verband kommunale Verwaltung, wirtschaftliche Ausbeutung und Deportation. Der Ältestenrat und Chaim Rumkowski handelten unter deutschem Zwang und besaßen nicht die souveräne Gewalt der von Biebow geleiteten Behörde.
Zentrale Ereignisse und Mechanismen
- Errichtung der deutschen Ghettoverwaltung unter Biebow, Oktober 1940
- Deportationen aus Łódź nach Kulmhof, ab 1942
- Liquidierung des Ghettos Łódź, 1944
Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.
Aufarbeitung nach 1945
Ein Überlebender erkannte Biebow in Bremen; er wurde festgenommen und an Polen ausgeliefert. Das Bezirksgericht Łódź verurteilte ihn wegen Ausbeutung, Aushungerung, Plünderung und Beteiligung an Deportationen; am 23. Juni 1947 wurde er in Łódź gehängt.
Grenzen der Quellenlage
Das Profil unterscheidet Biebows deutsche Verwaltungsgewalt von den unter Zwang stehenden Handlungen der Ghettoinstitutionen und vom gesonderten Kommando des Tötungszentrums Kulmhof.
Quellen
Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.