Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe
Konrad Meyer
Konrad Meyer war Leiter des Planungsamts des RKFDV und Hauptautor des Generalplans Ost. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Berlin und Planungen für das besetzte Osteuropa) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.
Gesicherte Befunde
- Meyer, Agrarwissenschaftler und Hochschullehrer, leitete ab 1939 das Planungsamt im Stab von Himmlers RKFDV.
- Er beaufsichtigte Fassungen des Generalplans Ost, die Massenvertreibung, Versklavung und deutsche Besiedlung im besetzten Osteuropa vorsahen.
- Im RuSHA-Prozess wurde er von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit freigesprochen, aber wegen Mitgliedschaft in der SS verurteilt; die Strafe galt als durch die Untersuchungshaft verbüßt.
Stellung in der Verantwortungskette
Meyer stellte dem Programm von Vertreibung, Germanisierung und kolonialer Herrschaft demografisches und raumplanerisches Wissen zur Verfügung. Geplante Bevölkerungszahlen und spätere, vom Plan beeinflusste Verbrechen sind von einer unmittelbaren, von Meyer persönlich angeordneten Umsetzung zu unterscheiden.
Zentrale Ereignisse und Mechanismen
- die Ausarbeitung aufeinanderfolgender Fassungen des Generalplans Ost ab 1940
- die teilweise Umsetzung durch Vertreibungen, Zwangsarbeit und Kinderraub im besetzten Polen
Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.
Aufarbeitung nach 1945
Meyer wurde 1947–1948 im RuSHA-Prozess angeklagt. Nach der Verurteilung allein wegen SS-Mitgliedschaft entlassen, kehrte er später in eine wissenschaftliche Laufbahn zurück und starb 1973.
Grenzen der Quellenlage
Die gewaltigen Zahlen des Generalplans Ost beschreiben eine beabsichtigte demografische Umgestaltung, nicht die Zahl der Menschen, die auf Meyers Befehl persönlich getötet wurden. Sein Freispruch in den Hauptanklagepunkten muss neben Inhalt und institutioneller Verwendung seiner Planungsarbeit zutreffend wiedergegeben werden.
Quellen
Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.