Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe

Klaus Barbie

1987 zu lebenslanger Haft verurteilt; 1991 in Haft gestorben 1913–1991

Klaus Barbie war Leiter einer Gestapo-Abteilung in Lyon, verantwortlich für Repression, Vernehmungen und Deportationen. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Frankreich) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.

GestapoFolterDeportationenJudenverfolgung

Gesicherte Befunde

  • Ab November 1942 leitete Barbie eine Gestapo-Abteilung in Lyon; das USHMM bringt ihn mit der persönlichen Vernehmung und Folterung von Gefangenen, darunter Jean Moulin, in Verbindung.
  • Am 6. April 1944 nahmen deutsche Beamte im Kinderheim von Izieu 44 jüdische Kinder und sieben Betreuer fest. Das Mémorial de la Shoah nennt das erhaltene Telegramm Barbies als Dokument seines Befehls und seines Berichts über die Aktion.
  • Nach seiner Auslieferung aus Bolivien an Frankreich im Jahr 1983 wurde Barbie in Lyon vor Gericht gestellt. 1987 wurde er wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslanger Haft verurteilt.
  • 1991 starb er während der Strafverbüßung in Frankreich an Krebs.

Stellung in der Verantwortungskette

Barbies Profil zeigt die lokale Leitung von Sipo und SD als Bindeglied zwischen Vernehmung und Folter, einer Polizeiaktion gegen Kinder sowie Deportation. Sein eigenes Telegramm zu Izieu und der französische Prozess erlauben es, vom bekannten Beinamen zu konkreten Handlungen und ihrer späten rechtlichen Einordnung überzugehen.

Zentrale Ereignisse und Mechanismen

  • Übernahme der Leitung einer Gestapo-Abteilung in Lyon im November 1942
  • Festnahme der Kinder und Betreuer in Izieu am 6. April 1944
  • Auslieferung aus Bolivien an Frankreich 1983
  • Verurteilung zu lebenslanger Haft in Lyon 1987
Keine Rangliste nach Opferzahlen

Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.

Aufarbeitung nach 1945

Nach dem Krieg lebte Barbie unter anderem unter dem Namen Klaus Altmann in Bolivien. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen wurde er 1983 an Frankreich ausgeliefert. Der Prozess endete 1987 mit lebenslanger Haft wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit; 1991 starb er in Haft.

Grenzen der Quellenlage

Das Urteil von 1987 betraf die im französischen Verfahren angeklagten Verbrechen gegen die Menschlichkeit und nicht automatisch jedes vom Sicherheitsapparat in Lyon begangene Verbrechen. Das erhaltene Telegramm individualisiert die Aktion von Izieu, begründet aber nicht die Behauptung, Barbie habe jede Handlung bei Festnahme und Transport persönlich ausgeführt. Das Profil übernimmt nicht unkritisch jede Nachkriegsbehauptung über seine Tätigkeit.

Quellen

Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.