Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe
Robert Scholz
Robert Scholz war Leiter des Sonderstabs Bildende Kunst im Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg und Organisator der Auswahl und des Tauschs geraubter Kunstwerke. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Frankreich · Belgien · Deutschland) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.
Gesicherte Befunde
- Seit 1941 leitete er im ERR den Sonderstab Bildende Kunst; seit Frühjahr 1942 hatte er die fachliche Leitung der Arbeitsgruppe Louvre inne.
- Er wirkte an Methoden zur Beschlagnahme, Katalogisierung und Verteilung von Kunstwerken in Westeuropa mit und ordnete die Erstellung von Listen jener Objekte an, die für Tauschgeschäfte vorgesehen waren.
- Nach der Ablösung Kurt von Behrs kontrollierte er die Tauschverträge persönlich; bei 28 Tauschgeschäften der Jahre 1941–1943 wurden mindestens 93 Gemälde eingesetzt, die jüdischen Eigentümern geraubt worden waren.
- Ein französisches Militärtribunal verurteilte ihn 1950 in Abwesenheit zu zehn Jahren Haft und Aufenthaltsverbot; die Strafe verbüßte er nicht.
Stellung in der Verantwortungskette
Scholz erklärt das mittlere Glied des Kunstraubs: fachliche Auswahl, Katalogisierung, Entscheidung über die Bestimmung eines Objekts und Tausch auf dem Kunstmarkt. Das Profil schreibt ihm dokumentierte Entscheidungen und Aufsicht zu, nicht die gesamte Tätigkeit des ERR.
Zentrale Ereignisse und Mechanismen
- Übernahme der Leitung des Sonderstabs Bildende Kunst im Jahr 1941
- Übernahme der fachlichen Leitung der Arbeitsgruppe Louvre im Frühjahr 1942
- Kontrolle der Tauschverträge nach der Ablösung Kurt von Behrs
- Abwesenheitsprozess in Paris vom 1. bis 3. August 1950
Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.
Aufarbeitung nach 1945
Er war Gegenstand von Ermittlungen der amerikanischen Art Looting Investigation Unit. Im August 1950 verurteilte ihn ein französisches Militärtribunal in Abwesenheit zu zehn Jahren Haft und Aufenthaltsverbot; das Urteil wurde nicht vollstreckt. Er starb 1981.
Grenzen der Quellenlage
Die INHA-Datenbank enthält eine Abweichung beim Geburtsdatum: Der narrative Text und die Deutsche Digitale Bibliothek nennen 1902, während ein Metadatenfeld der INHA 1909 angibt. Es gibt keine ausreichende Grundlage, Scholz die Verbrennung eines Teils der Objekte im Juli 1943 zuzuschreiben; die Quelle selbst stellt dies als Vermutung dar.
Quellen
Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.