Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe

Ferdinand von Sammern-Frankenegg

nicht vor Gericht gestellt; am 20. September 1944 im Kampf gegen jugoslawische Partisanen gefallen 1897–1944

Ferdinand von Sammern-Frankenegg war SS- und Polizeiführer im Distrikt Warschau; Leiter der Deportationen während der Großaktion und des ersten Angriffs auf das Ghetto am 19. April 1943. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Distrikt Warschau — besetztes Polen) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.

Aktion ReinhardtDeportationenGhettoauflösungen

Gesicherte Befunde

  • Institutionelle Darstellungen verorten Sammern-Frankenegg vom Sommer 1942 bis zum 19. April 1943 im Amt des SS- und Polizeiführers im Distrikt Warschau.
  • Die Ghettos-Enzyklopädie von Yad Vashem gibt an, dass ihm im Sommer 1942 die Durchführung des Plans zur Deportation der Warschauer Juden übertragen wurde; das Museum des Warschauer Ghettos bezeichnet ihn als Leiter der Deportationen während der Großaktion.
  • Im Januar 1943 leitete er eine weitere Deportationsaktion, und am 19. April befehligte er den ersten, abgewehrten Angriff der deutschen Kräfte auf das Ghetto; noch am selben Tag wurde er durch Jürgen Stroop abgelöst.
  • Am 5. September 1942 erließ er eine Bekanntmachung, die für die Hilfe an Juden, die das Ghetto verlassen hatten, die Todesstrafe androhte; am 10. Dezember befahl er der Polnischen Polizei, ohne Erlaubnis außerhalb des Ghettos angetroffene Juden zu erschießen.

Stellung in der Verantwortungskette

Das Profil zeigt einen regionalen Befehlshaber, der administrative Terrorregeln, unterstellte Polizeiformationen und die operative Leitung von Deportationen miteinander verband. Die stärksten persönlichen Spuren sind die Leitung der Großaktion sowie die von ihm unterzeichnete Bekanntmachung und der Polizeibefehl; seine Rolle darf jedoch nicht mit der eigenständigen Konzeption der Aktion Reinhardt gleichgesetzt werden.

Zentrale Ereignisse und Mechanismen

  • Übernahme des Amtes des SS- und Polizeiführers im Distrikt Warschau im Sommer 1942
  • Leitung der Deportationen während der Großaktion von Juli bis September 1942
  • Erlass der Bekanntmachung vom 5. September und des Polizeibefehls vom 10. Dezember 1942
  • Leitung der Januaraktion und des ersten Angriffs auf das Ghetto am 19. April 1943
Keine Rangliste nach Opferzahlen

Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.

Aufarbeitung nach 1945

Er wurde nicht vor Gericht gestellt. Nach seiner Versetzung in das besetzte Jugoslawien wurde er am 20. September 1944 beim Beschuss seines Gefechtsstands durch jugoslawische Partisanen im Raum Banja Luka tödlich verwundet.

Grenzen der Quellenlage

Die Quellen datieren den Beginn seiner tatsächlichen beziehungsweise nominellen Amtszeit als SSPF in Warschau unterschiedlich; als gesichert gilt der Zeitraum Sommer 1942 bis 19. April 1943. Ihm werden weder die Gesamtzahl der Opfer der Großaktion als persönliche Bilanz noch die alleinige Entscheidung über die Aktion Reinhardt zugerechnet. Sein Kommando am 19. April dauerte nur bis zum Scheitern des ersten Angriffs. Die spätere Beförderung zum SS-Brigadeführer war nicht sein Rang während der Warschauer Amtszeit.

Quellen

Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.