Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe
Alfred Jodl
Alfred Jodl war Chef des Wehrmachtführungsstabs des Oberkommandos der Wehrmacht. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (deutsche Militärplanung und Befehlsführung in allen Kriegsschauplätzen) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.
Gesicherte Befunde
- Jodl leitete vom Kriegsbeginn bis Mai 1945 den Wehrmachtführungsstab im OKW und nahm an Hitlers Lagebesprechungen teil.
- Er half dabei, strategische Entscheidungen für aufeinanderfolgende Invasionen in operative Weisungen zu übertragen, die an deutsche Streitkräfte verteilt wurden.
- Seine Unterschrift stand auf verbrecherischen Befehlen, darunter Weisungen über sowjetische politische Kommissare und gefangene Kommandosoldaten.
Stellung in der Verantwortungskette
Jodls Verantwortung ergab sich aus militärischer Planung, Entwurf und Übermittlung, nicht aus direkter Teilnahme an Erschießungen. Feldkommandos und Personal blieben für ihre eigenen Befehle und deren Ausführung verantwortlich.
Zentrale Ereignisse und Mechanismen
- Übernahme des Postens im Wehrmachtführungsstab des OKW, 1. September 1939
- Planung und verbrecherische Weisungen für den Überfall auf die Sowjetunion, 1941
- Urteil des Internationalen Militärgerichtshofs, 1. Oktober 1946
Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.
Aufarbeitung nach 1945
Der Internationale Militärgerichtshof verurteilte Jodl in allen vier Anklagepunkten zum Tode. Er wurde am 16. Oktober 1946 in Nürnberg gehängt; eine spätere für ihn günstige westdeutsche Entnazifizierungsentscheidung wurde anschließend aufgehoben.
Grenzen der Quellenlage
Das Profil bindet Verantwortung an erhaltene Pläne und unterzeichnete Weisungen und leitet daraus keine persönliche Kontrolle über jede von den Streitkräften durchgeführte Operation ab.
Quellen
Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.