Deutsche Forschungsausgabe
Franz Schlegelberger
Franz Schlegelberger war Staatssekretär und kommissarischer Reichsjustizminister. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (das Deutsche Reich und die besetzten polnischen Gebiete) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.
Gesicherte Befunde
- Als Staatssekretär und später kommissarischer Minister wirkte Schlegelberger an der Leitung des Reichsjustizministeriums mit.
- Das Ministerium trug dazu bei, für Polinnen und Polen sowie Jüdinnen und Juden in den annektierten Gebieten ein gesondertes, außergewöhnlich repressives Strafrechtssystem zu schaffen und anzuwenden.
- Er war an der Unterordnung der Justiz unter die Rassenpolitik und an der Übergabe von Gefangenen an den SS-Apparat beteiligt.
Stellung in der Verantwortungskette
Das Profil ordnet Juristen und Ministerium in die Verfolgungskette ein: Gewalt erhielt Formen, Zuständigkeiten und eine Fassade der Legalität. Es schreibt Schlegelberger nicht persönlich jedes Gerichtsurteil zu.
Zentrale Ereignisse und Mechanismen
- die Einführung eines Sonderstrafrechts für Polinnen und Polen sowie Jüdinnen und Juden
- die Radikalisierung der nationalsozialistischen Justiz
Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.
Aufarbeitung nach 1945
Im Nürnberger Juristenprozess wurde Schlegelberger 1947 zu lebenslanger Haft verurteilt. 1951 wurde er aus gesundheitlichen Gründen entlassen und erhielt später eine beträchtliche Pension.
Grenzen der Quellenlage
Der Bezug zum besetzten Polen bleibt auf ministerielle Regelungen und Entscheidungen beschränkt, die in den Prozessakten belegt sind. Das Profil ersetzt keine Untersuchung einzelner Sondergerichte.
Quellen
Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.