Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe

Roland Freisler

im Februar 1945 bei einem Luftangriff getötet und nie vor Gericht gestellt 1893–1945

Roland Freisler war Präsident des Volksgerichtshofs und führender Gestalter des nationalsozialistischen Justizterrors. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Deutschland, vor allem Berlin) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.

Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Gesicherte Befunde

  • Freisler war Staatssekretär im Reichsjustizministerium und vertrat es auf der Wannsee-Konferenz.
  • Im August 1942 wurde er Präsident des Volksgerichtshofs und leitete Verfahren, denen grundlegende rechtsstaatliche Garantien fehlten.
  • Während seiner Präsidentschaft verhängte der Gerichtshof Tausende Todesurteile, unter anderem gegen die Weiße Rose und Beteiligte am Attentat vom 20. Juli 1944.

Stellung in der Verantwortungskette

Freisler machte Justizamt und Gerichtsverfahren zu Instrumenten politischer Verfolgung und Hinrichtung. Das Profil unterscheidet die von ihm selbst geleiteten Verfahren von der umfassenderen Bilanz des Volksgerichtshofs als Institution.

Zentrale Ereignisse und Mechanismen

  • Am 20. Januar 1942 nahm er für das Justizministerium an der Wannsee-Konferenz teil.
  • Am 20. August 1942 wurde er Präsident des Volksgerichtshofs.
  • 1943–1944 leitete er Schauprozesse gegen Mitglieder der Weißen Rose und Angeklagte mit Verbindung zum 20. Juli.
Keine Rangliste nach Opferzahlen

Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.

Aufarbeitung nach 1945

Freisler starb am 3. Februar 1945 während eines amerikanischen Luftangriffs auf Berlin im Gebäude des Volksgerichtshofs. Er stand daher nie vor einem Nachkriegsverfahren; der Gerichtshof wurde in Deutschland später förmlich als Instrument rechtswidrigen Staatsterrors verurteilt.

Grenzen der Quellenlage

Unterschiedliche Zahlen beziehen sich jeweils auf Todesurteile von Freislers eigenem Senat, von ihm unterzeichnete Urteile oder alle während seiner Präsidentschaft ausgesprochenen Todesurteile. Diese Kategorien dürfen nicht zu einer einzigen persönlichen Zahl verschmolzen werden.

Quellen

Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.