Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe

Arthur Nebe

1945 vom NS-Regime wegen Beteiligung am Umsturzversuch vom 20. Juli hingerichtet 1894–1945

Arthur Nebe war Chef der Kriminalpolizei und 1941 Kommandeur der Einsatzgruppe B. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (besetztes Belarus und rückwärtiges Gebiet der Heeresgruppe Mitte) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.

Verbrechen gegen die MenschlichkeitWeitere Genozide

Gesicherte Befunde

  • Nebe leitete die Reichskriminalpolizei und das RSHA-Amt V und meldete sich während des Überfalls auf die Sowjetunion freiwillig zum Kommandeur der Einsatzgruppe B.
  • Seine Gruppe meldete bis November 1941 mehr als 45.000 Tötungen von Jüdinnen und Juden, anderen Zivilpersonen, sowjetischen Kriegsgefangenen, Roma und psychiatrischen Patientinnen und Patienten.
  • Er organisierte Versuche, die zur Einführung von Gaswagen als Methode des Massenmords beitrugen.

Stellung in der Verantwortungskette

Nebes spätere Beteiligung am Umsturzversuch gegen Hitler hebt seinen früheren Befehl über den Massenmord nicht auf. Die gemeldeten Tötungen wurden durch Einheiten unter seinem Kommando ausgeführt; die Befehlsverantwortung ist damit belegt, ohne zu behaupten, er habe jeden Schuss persönlich abgegeben.

Zentrale Ereignisse und Mechanismen

  • Massenerschießungen der Einsatzgruppe B in Belarus 1941
  • die von Himmler beobachtete Demonstrationstötung und anschließende Gaswagenversuche
Keine Rangliste nach Opferzahlen

Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.

Aufarbeitung nach 1945

Nach dem gescheiterten Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 tauchte Nebe unter, wurde aber von der Gestapo festgenommen. Der Volksgerichtshof verurteilte ihn wegen Hochverrats zum Tode; das NS-Regime hängte ihn am 21. März 1945 im Gefängnis Plötzensee. Wegen der Verbrechen der Einsatzgruppe stand er nie vor Gericht.

Grenzen der Quellenlage

Die dokumentierte Zahl von mehr als 45.000 beruht auf den eigenen Berichten der Gruppe und ist ein Mindestwert, keine vollständige Gesamtsumme. Seine Hinrichtung betraf Widerstand gegen Hitler, nicht eine juristische Aufarbeitung der im Profil beschriebenen Massenmorde.

Quellen

Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.