Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe
Franz Ziereis
Franz Ziereis war Kommandant des Konzentrationslagerkomplexes Mauthausen. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Mauthausen, Gusen und das Netz der Außenlager im Donauraum) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.
Gesicherte Befunde
- Ziereis kommandierte Mauthausen von Februar 1939 bis zum Ende des Krieges und zählte damit zu den Kommandanten mit den längsten Amtszeiten im SS-Lagersystem.
- Unter seinem operativen Kommando beuteten der Komplex Mauthausen–Gusen und seine zahlreichen Außenlager Gefangene in Steinbrüchen, Rüstungsfabriken, Bergwerken und Stollen unter tödlichen Bedingungen aus.
- Das Lagerregime stützte sich auf Zwangsarbeit, Hunger, Krankheit, Gewalt und Hinrichtungen; nach seiner Festnahme gab Ziereis eine Aussage zu Lagerverbrechen und Personal ab.
Stellung in der Verantwortungskette
Ziereis setzte die zentrale Politik von SS und WVHA durch die tägliche Lagerführung um. Das Profil wahrt die gesonderte Verantwortung der Vorgesetzten im WVHA, der Kommandanten der Außenlager, der Wachmannschaften und der industriellen Nutznießer.
Zentrale Ereignisse und Mechanismen
- Ernennung zum Kommandanten von Mauthausen, Februar 1939
- Ausbau des Zwangsarbeitsnetzes Mauthausen–Gusen während des Krieges
- Festnahme und Verhör nach der Verwundung bei einem Fluchtversuch, 23. Mai 1945
Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.
Aufarbeitung nach 1945
US-Soldaten fanden Ziereis am 23. Mai 1945 in Oberösterreich und schossen auf ihn, als er zu fliehen versuchte. Er wurde tödlich verwundet verhört und starb kurz darauf, je nach Quelle am 24. oder 25. Mai, vor jedem Prozess.
Grenzen der Quellenlage
Die Quellen weichen beim Todesdatum um einen Tag voneinander ab. Seine letzte Aussage ist ein wichtiges Beweismittel, muss jedoch neben Überlebendenaussagen und Akten gelesen werden und ist kein vollständiger Bericht.
Quellen
Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.