Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe
Franz Reichleitner
Franz Reichleitner war Kommandant des Vernichtungslagers Sobibór nach Franz Stangl. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Hartheim, Sobibór und später Operationszone Adriatisches Küstenland) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.
Gesicherte Befunde
- Reichleitner diente vor seinem Einsatz in der Aktion Reinhardt im Tötungszentrum Hartheim der Aktion T4.
- Im September 1942 folgte er Franz Stangl als Kommandant von Sobibór nach und blieb es bis zur Auflösung des Lagers nach dem Aufstand im Oktober 1943.
- Sobibór war ein Vernichtungszentrum, in dem Deportierte kurz nach ihrer Ankunft ermordet und ihr Eigentum geraubt wurde.
Stellung in der Verantwortungskette
Reichleitner kommandierte Sobibór während dessen wichtigster Betriebsphase und trug Verantwortung für Organisation und Personal des Lagers. Die Gesamtzahl der in Sobibór Ermordeten beschreibt die Tätigkeit des gesamten Vernichtungsapparats, nicht allein von ihm persönlich ausgeführte Handlungen.
Zentrale Ereignisse und Mechanismen
- Massenmord in den Gaskammern von Sobibór von September 1942 bis Oktober 1943
- der Gefangenenaufstand vom 14. Oktober 1943 und die anschließende Auflösung des Lagers
Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.
Aufarbeitung nach 1945
Nach der Auflösung von Sobibór wurde Reichleitner mit anderem Personal der Aktion Reinhardt in die Adriatische Region versetzt. Partisanen erschossen ihn am 3. Januar 1944 bei Fiume, dem heutigen Rijeka; er stand daher nie vor Gericht.
Grenzen der Quellenlage
Schätzungen zur Zahl der in Sobibór Ermordeten reichen von mindestens 167.000 bis zu höheren Werten in anderen Studien. Das Profil nutzt die Lagergesamtzahl zur Beschreibung der Reichweite seines Kommandos, hält aber die gesonderte Verantwortung von Personal, Wachmannschaften und Deportationsorganisatoren fest.
Quellen
Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.