Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe

Jakob Sporrenberg

in Polen verurteilt und 1952 hingerichtet 1902–1952

Jakob Sporrenberg war SS- und Polizeiführer im Distrikt Lublin und Organisator der Aktion Erntefest. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Distrikt Lublin des Generalgouvernements) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.

Verbrechen gegen die MenschlichkeitShoah

Gesicherte Befunde

  • Sporrenberg folgte Odilo Globocnik im August 1943 als SS- und Polizeiführer im Distrikt Lublin nach.
  • Seine Dienststelle befehligte SS-, Polizei- und Hilfskräfte und übte Autorität über das Lager- und Zwangsarbeitssystem des Distrikts aus.
  • Er organisierte am 3. und 4. November 1943 die Massenerschießungen der Aktion Erntefest an jüdischen Häftlingen in Majdanek, Poniatowa und Trawniki.

Stellung in der Verantwortungskette

Sporrenberg hatte das regionale Kommando, das für Planung und Koordination der Aktion Erntefest verantwortlich war; die Erschießungen wurden jedoch von mehreren SS-, Polizei- und Hilfsformationen ausgeführt. Das Profil schreibt ihm Befehl und Organisation zu, ohne die Handlungsfähigkeit der unmittelbaren Täter auszulöschen.

Zentrale Ereignisse und Mechanismen

  • die Aktion Erntefest in Majdanek, Poniatowa und Trawniki am 3. und 4. November 1943
  • sein Befehl über den SS- und Polizeiapparat im Distrikt Lublin ab August 1943
Keine Rangliste nach Opferzahlen

Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.

Aufarbeitung nach 1945

Britische Truppen nahmen Sporrenberg in Norwegen fest und lieferten ihn im Oktober 1946 nach Polen aus. Ein Warschauer Gericht verurteilte ihn 1950 zum Tode; am 6. Dezember 1952 wurde er im Gefängnis Mokotów gehängt.

Grenzen der Quellenlage

Die Zahl der in der Aktion Erntefest Ermordeten ist mit etwa 42.000 bis 43.000 gut dokumentiert, während weitergehende Schätzungen für seinen Distriktsbefehl weniger genau sind. Polnische Materialien enthalten zu einigen Phasen und Daten des Prozesses nur begrenzte Angaben.

Quellen

Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.