Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe

Baldur von Schirach

in Nürnberg verurteilt; verbüßte zwanzig Jahre Haft und starb 1974 1907–1974

Baldur von Schirach war Reichsjugendführer sowie später Gauleiter und Reichsstatthalter von Wien. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (deutsche Jugendorganisationen und Wien) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.

Verbrechen gegen die MenschlichkeitShoahPropaganda und Anstiftung

Gesicherte Befunde

  • Als Reichsjugendführer formte von Schirach die Hitlerjugend zu einer Massen- und Pflichtorganisation der ideologischen Indoktrination und militärischen Vorbereitung.
  • Die ihm unterstehende Organisation vermittelte deutschen Kindern und Jugendlichen Führerkult, Rassenlehre und Antisemitismus.
  • Als Gauleiter und Reichsstatthalter von Wien nutzte er ab 1940 regionale Befugnisse bei der Deportation der jüdischen Bevölkerung Wiens.

Stellung in der Verantwortungskette

Von Schirachs Verantwortung hatte zwei Formen: langfristige ideologische Prägung und spätere territoriale Beteiligung an Deportationen. Das Profil unterstellt nicht, dass Indoktrination jede spätere Handlung von Mitgliedern der Hitlerjugend mechanisch bestimmte.

Zentrale Ereignisse und Mechanismen

  • Ernennung zum Reichsjugendführer, 1931–1933
  • Ernennung zum Gauleiter und Reichsstatthalter von Wien, 1940
  • Nürnberger Verurteilung wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, 1946
Keine Rangliste nach Opferzahlen

Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.

Aufarbeitung nach 1945

Der Internationale Militärgerichtshof verurteilte von Schirach im Zusammenhang mit der Deportation der Wiener Jüdinnen und Juden wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu zwanzig Jahren Haft. Er verbüßte die Strafe in Spandau, wurde 1966 entlassen und starb 1974.

Grenzen der Quellenlage

Das Profil trennt seine belegte Zuständigkeit für Jugendpolitik und Wien vom Handeln anderer Partei-, Polizei- und Deportationsbehörden.

Quellen

Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.