Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe
Werner Heyde
Werner Heyde war medizinischer Leiter und erster medizinischer Hauptgutachter der Aktion T4. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Deutsches Reich und in die Aktion 14f13 einbezogene Konzentrationslager) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.
Gesicherte Befunde
- Heyde war von 1939 bis Ende 1941 medizinischer Leiter und erster medizinischer Hauptgutachter der Aktion T4.
- Er beteiligte sich an der aktenbasierten Auswahl von Patientinnen und Patienten zur Tötung und half, Personal, Verfahren und Tötungsmethoden des Programms zu organisieren.
- Seine Tätigkeit erstreckte sich auch auf die Aktion 14f13, durch die Gefangene aus Konzentrationslagern ausgewählt und ermordet wurden.
Stellung in der Verantwortungskette
Heydes Verantwortung lag in medizinischer Autorisierung, institutioneller Gestaltung und fachlicher Aufsicht, nicht in der Steuerung jeder lokalen Tötung. Die umfassendere Zahl des nationalsozialistischen Medizinmords schließt Phasen und Institutionen ein, die über das von ihm geleitete zentrale Programm hinausgehen.
Zentrale Ereignisse und Mechanismen
- die zentrale Phase der Aktion T4, in der in sechs Tötungszentren mehr als 70.000 Patientinnen und Patienten ermordet wurden
- die Ausweitung medizinischer Auswahl und Tötung auf KZ-Gefangene durch die Aktion 14f13
Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.
Aufarbeitung nach 1945
Heyde entkam 1947 britischer Haft und lebte jahrelang unter dem Namen Dr. Fritz Sawade, während er als medizinischer Gutachter arbeitete. Im November 1959 stellte er sich; am 13. Februar 1964 starb er im Gefängnis Butzbach durch Suizid, fünf Tage vor dem geplanten Prozessbeginn.
Grenzen der Quellenlage
Die Zahl von mehr als 70.000 betrifft die zentrale Phase der Aktion T4, während Schätzungen von 250.000–300.000 das breitere nationalsozialistische „Euthanasie“-Programm umfassen. Sekundärquellen unterscheiden sich über den genauen Ort seines Todes; ein Urteil wurde nicht gefällt.
Quellen
Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.