Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe
Bruno Streckenbach
Bruno Streckenbach war Leiter der RSHA-Personalverwaltung und Organisator der Besetzung und Schulung der Einsatzgruppen. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Berlin, besetztes Polen und die besetzten sowjetischen Gebiete) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.
Gesicherte Befunde
- Streckenbach befehligte beim Überfall auf Polen die Einsatzgruppe I und war danach erster Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD im Generalgouvernement in Krakau.
- Als Leiter des RSHA-Amts I kontrollierte er Auswahl und Einsatz des Personals und organisierte in Pretzsch vor dem Überfall auf die Sowjetunion die Zusammenstellung und Unterweisung des Einsatzgruppenpersonals.
- Westdeutsche Staatsanwälte bereiteten 1973 eine Anklage wegen Beihilfe zum Massenmord vor, doch ein Hamburger Gericht setzte das Verfahren aus gesundheitlichen Gründen aus.
Stellung in der Verantwortungskette
Streckenbach verband Feldkommando im besetzten Polen mit zentraler Autorität über das Personal der Sicherheitspolizei und der Einsatzgruppen. Seine organisatorische Handlungsfähigkeit ist dokumentiert; Verbrechen jedes über das RSHA ausgebildeten oder eingesetzten Beamten können jedoch nicht einfach als seine individuellen Taten gelten.
Zentrale Ereignisse und Mechanismen
- die Operationen der Einsatzgruppe I und der Aufbau des Apparats der Sicherheitspolizei im Generalgouvernement 1939
- die Zusammenstellung und Unterweisung von Einsatzgruppenpersonal in Pretzsch vor dem Unternehmen Barbarossa
Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.
Aufarbeitung nach 1945
Die Sowjetunion hielt Streckenbach nach seiner Festnahme im Mai 1945 fest und verurteilte ihn 1952 zu 25 Jahren Haft. 1955 wurde er rückgeführt. Das spätere westdeutsche Verfahren wurde 1974 auf unbestimmte Zeit ausgesetzt; 1977 starb er in Hamburg, ohne wegen der Vorwürfe zum Holocaust und zur AB-Aktion vor Gericht gestanden zu haben.
Grenzen der Quellenlage
Das Profil vermerkt geringe Unsicherheiten zu den Daten seiner frühen Partei- und SS-Mitgliedschaft und behandelt Schätzungen zu den Massenverbrechen der Einsatzgruppen als Größenordnungen. Seine individuelle Verantwortung ist durch Personalbesetzung, Unterweisung, Kommando und konkrete Operationen zu belegen, nicht durch die Gesamtbilanz aller nachgeordneten Einheiten.
Quellen
Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.