Mechanismus-Dossier

Eigentumsentzug und Kulturgutraub

Wie Beschlagnahme, Inventarisierung, Zwangsarbeit und Transport den Raub an Verfolgten und besetzten Institutionen systematisierten.

Plünderung war nicht nur opportunistischer Diebstahl im Gefolge von Gewalt. Sie wurde durch Dienststellen organisiert, die Wohnungen durchsuchten, Besitztümer inventarisierten, Güter sortierten, Sammlungen bewerteten, Zwangsarbeit zuwiesen und Eigentum an deutsche Institutionen oder Behörden überführten. Die materielle Zerstörung einer Gemeinschaft setzte sich somit nach Verhaftung, Deportation und Mord fort.

Franz Konrads Dienststelle „Werterfassung“ arbeitete innerhalb des Vernichtungsprozesses im Warschauer Ghetto. Sie katalogisierte und entfernte das Eigentum deportierter und ermordeter Bewohnerinnen und Bewohner, setzte Zwangsarbeit ein und arbeitete parallel zu den Auflösungsaktionen. Gustav Abbs Bibliotheksverwaltung steht für eine andere Größenordnung: die Beschlagnahme, Auswahl und Verlagerung polnischer und jüdischer Sammlungen im gesamten Generalgouvernement.

Beide Profile zeigen außerdem, warum eine sorgfältige Zuschreibung wichtig ist. Belege für Konrads persönliche Korruption ersetzen nicht die Erklärung des von ihm geleiteten institutionellen Apparats. Abbs Rolle bei der systematischen Beschlagnahme muss von umstrittenen Maßnahmen am Kriegsende unterschieden werden, durch die ausgewählte Bestände bewahrt wurden, während andere deutsche Formationen Warschauer Bibliotheken gezielt vernichteten.

Die Kette

  1. 1Beschlagnahme nach Ausgrenzung oder Deportation
  2. 2Inventarisierung und Auswahl durch Fachleute
  3. 3Sortierung durch erzwungene Arbeit
  4. 4Transport und Aufnahme durch Besatzungsinstitutionen
  5. 5Verlust, Zerstörung und Fragen der Restitution nach 1945

Profile in diesem Mechanismus

Einstiegsquellen

Jedes verlinkte Profil nennt seine eigene Quellengrundlage und deren Grenzen. Diese Quellen führen in den Mechanismus als Ganzes ein.