Deutsche Forschungsausgabe
Hermann Worthoff
Hermann Worthoff war Leiter des Judenreferats der Gestapo in Lublin und Führer eines Liquidierungskommandos. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Lublin, Majdan Tatarski und Warschau) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.
Gesicherte Befunde
- Worthoff leitete das Judenreferat in der Dienststelle des Kommandeurs der Sicherheitspolizei und des SD in Lublin.
- Er führte bei der Auflösung des Lubliner Ghettos ein Sonderkommando und war an Selektionen in Majdan Tatarski beteiligt.
- Im Juli 1942 wirkte er innerhalb der Struktur Hermann Höfles auch an der Deportation von Bewohnerinnen und Bewohnern des Warschauer Ghettos mit.
Stellung in der Verantwortungskette
Worthoff steht für ein Fachreferat, das Aktenführung, Deportation und operative Gewalt miteinander verband. Das Profil weitet seine Verantwortung nicht auf die gesamte Aktion Reinhardt aus.
Zentrale Ereignisse und Mechanismen
- die Auflösung des Lubliner Ghettos im Jahr 1942
- Selektionen und Erschießungen in Majdan Tatarski
Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.
Aufarbeitung nach 1945
Worthoff lebte bis 1953 unter falschem Namen. 1975 verurteilte ihn das Landgericht Wiesbaden wegen Beihilfe zur Ermordung von Bewohnerinnen und Bewohnern des Lubliner Ghettos zu acht Jahren Haft.
Grenzen der Quellenlage
Das Urteil behandelte bestimmte Taten und nachgewiesene Formen der Beihilfe. Strittige Einzelheiten zu einzelnen Erschießungen werden als Unsicherheit kenntlich gemacht und nicht als gesicherte Tatsache dargestellt.
Quellen
Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.