Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe
Anton Kaindl
Anton Kaindl war Kommandant des KZ Sachsenhausen von 1942 bis 1945. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Sachsenhausen · Oranienburg · Deutschland) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.
Gesicherte Befunde
- Anton Kaindl wurde am 14. Juli 1902 in München geboren. Von 1942 bis 1945 war er Kommandant des KZ Sachsenhausen. (Quelle: Harvard Law School Library — Nuremberg Trials Project, Anton Kaindl affidavit of 16 July 1946, 23 pp.; metadata lines and scanned pp. 1–23; NMT 4 pp. 4114, 4139; Quelle: United States Holocaust Memorial Museum, Section “SS Personnel,” especially the paragraph naming Anton Kaindl)
- Am 2. Februar 1945 befahl er die Vorbereitung der Evakuierung; ab dem 21. April wurden mehr als 33.000 Häftlinge in Kolonnen fortgetrieben, die SS erschoss Zurückbleibende, und über tausend Menschen überlebten nicht. (Quelle: Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen, Paragraphs beginning “Am 2. Februar 1945…” and “Die zurückbleibenden Häftlinge…”)
- Im sowjetischen Sachsenhausen-Prozess wurde er 1947 zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt. Er kam nach Workuta und starb dort am 31. August 1948. (Quelle: Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Printed p. 92, discussion of the 1947 Sachsenhausen trial)
Stellung in der Verantwortungskette
Kaindls Verantwortung beruht auf seiner Kommandantenstellung und dem konkreten Befehl zur Vorbereitung einer Evakuierung, die zum Todesmarsch wurde. Seine eidesstattliche Erklärung dokumentiert zudem seine Kenntnis des Lagersystems. (Quelle: Harvard Law School Library — Nuremberg Trials Project, Anton Kaindl affidavit of 16 July 1946, 23 pp.; metadata lines and scanned pp. 1–23; NMT 4 pp. 4114, 4139; Quelle: Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen, Paragraphs beginning “Am 2. Februar 1945…” and “Die zurückbleibenden Häftlinge…”)
Zentrale Ereignisse und Mechanismen
- 1942 – Übernahme des Kommandos in Sachsenhausen (Quelle: United States Holocaust Memorial Museum, Section “SS Personnel,” especially the paragraph naming Anton Kaindl)
- 2. Februar–21. April 1945 – Vorbereitung und Beginn der Lagerevakuierung (Quelle: Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen, Paragraphs beginning “Am 2. Februar 1945…” and “Die zurückbleibenden Häftlinge…”)
- 1947 – lebenslange Zwangsarbeit im sowjetischen Sachsenhausen-Prozess (Quelle: Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Printed p. 92, discussion of the 1947 Sachsenhausen trial)
Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.
Aufarbeitung nach 1945
Ein sowjetisches Militärtribunal verurteilte Kaindl 1947 zu lebenslanger Zwangsarbeit. Er wurde nach Workuta gebracht und starb dort am 31. August 1948. (Quelle: Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Printed p. 92, discussion of the 1947 Sachsenhausen trial)
Grenzen der Quellenlage
Die Zahl von mehr als tausend Toten betrifft den gesamten Todesmarsch, nicht eine persönliche Opferbilanz Kaindls. Das Profil schreibt ihm den Evakuierungsbefehl und Befehlsverantwortung zu, nicht jeden Schuss der Wachmannschaften. (Quelle: Harvard Law School Library — Nuremberg Trials Project, Anton Kaindl affidavit of 16 July 1946, 23 pp.; metadata lines and scanned pp. 1–23; NMT 4 pp. 4114, 4139; Quelle: Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen, Paragraphs beginning “Am 2. Februar 1945…” and “Die zurückbleibenden Häftlinge…”; Quelle: Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Printed p. 92, discussion of the 1947 Sachsenhausen trial)
Quellen
Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.