Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe
Hans Reiter
Hans Reiter war Präsident des Reichsgesundheitsamtes. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Deutsches Reich) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.
Gesicherte Befunde
- Im Oktober 1933 wurde er Präsident des Reichsgesundheitsamtes und betrieb dessen Unterordnung unter die nationalsozialistische Politik. (Quelle: Robert Koch-Institut, Sonderheft S/89 des Bundesgesundheitsblatts, S. 1–3 und 10–14)
- Eine dem Amt zugeordnete rassenkundliche Forschungsstelle lieferte Gutachten, die zur Verfolgung von Sinti und Roma genutzt wurden. (Quelle: Robert Koch-Institut, Sonderheft S/89 des Bundesgesundheitsblatts, S. 1–3 und 10–14)
- Institutionelle Quellen und das Protokoll des Ärzteprozesses zählen Reiter zu den Beteiligten an Treffen zur Planung von Fleckfieber-Impfstoffversuchen an Buchenwald-Häftlingen. (Quelle: Robert Koch-Institut, Sonderheft S/89 des Bundesgesundheitsblatts, S. 1–3 und 10–14; Quelle: Bibliothek der Harvard Law School, Protokoll des Ärzteprozesses vom 13. Februar 1947, Sequenz um 3128)
Stellung in der Verantwortungskette
Die Belege weisen auf administrative und planerische Verantwortung, nicht auf eine persönliche Durchführung von Experimenten. Reiter war im Ärzteprozess kein Angeklagter; deshalb werden diese Feststellungen nicht als Strafurteil dargestellt. (Quelle: Robert Koch-Institut, Sonderheft S/89 des Bundesgesundheitsblatts, S. 1–3 und 10–14; Quelle: Bibliothek der Harvard Law School, Protokoll des Ärzteprozesses vom 13. Februar 1947, Sequenz um 3128; Quelle: PubMed, Zusammenfassung von „Reiter disease or reactive arthritis?“, 2007)
Zentrale Ereignisse und Mechanismen
- Im Oktober 1933 wurde er Präsident des Reichsgesundheitsamtes. (Quelle: Robert Koch-Institut, Sonderheft S/89 des Bundesgesundheitsblatts, S. 1–3 und 10–14)
- Am 29. Dezember 1941 nahm er an einer Besprechung zum Programm der Fleckfieber-Impfstoffforschung teil. (Quelle: Robert Koch-Institut, Sonderheft S/89 des Bundesgesundheitsblatts, S. 1–3 und 10–14; Quelle: Bibliothek der Harvard Law School, Protokoll des Ärzteprozesses vom 13. Februar 1947, Sequenz um 3128)
- Nach der Internierung von 1945 bis 1947 wurde er ohne Strafprozess entlassen. (Quelle: PubMed, Zusammenfassung von „Reiter disease or reactive arthritis?“, 2007)
Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.
Aufarbeitung nach 1945
Nach dem Krieg wurde er interniert und vernommen, jedoch nicht angeklagt. 1947 kam er frei; für die hier beschriebenen Handlungen wurde er nie verurteilt. (Quelle: PubMed, Zusammenfassung von „Reiter disease or reactive arthritis?“, 2007)
Grenzen der Quellenlage
Das Fehlen eines Urteils erfordert eine klare Trennung zwischen historischem beziehungsweise Vernehmungsmaterial und einer gerichtlichen Schuldfeststellung. Reiter wird weder die persönliche Durchführung der Versuche noch jede Handlung des ihm unterstellten Amtes zugeschrieben. Wegen ungeklärter Rechte an einer bestimmten Datei wurde kein Porträt ausgewählt. (Quelle: Robert Koch-Institut, Sonderheft S/89 des Bundesgesundheitsblatts, S. 1–3 und 10–14; Quelle: Bibliothek der Harvard Law School, Protokoll des Ärzteprozesses vom 13. Februar 1947, Sequenz um 3128; Quelle: PubMed, Zusammenfassung von „Reiter disease or reactive arthritis?“, 2007)
Quellen
Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.